Online-Magazin für Minden und Umgebung

Die Geschichte des Mindener Bürgerbataillons

20190612 hallo minden freischiessen

Die Geschichte der Stadt Minden ist eng mit der Geschichte des Mindener Bürgerbataillons verbunden, das als Institution einfach zum Leben unserer Heimatstadt gehört. Das Schicksal Mindens ist die Weser, die nur 3,5 km entfernt an der Porta Westfalica durch das Weser- und Wiehengebirge in die Norddeutsche Tiefebene tritt. Sie bestimmt seine Lage, nämlich dort, wo man schon in frühester Zeit in einer Furt den Strom überqueren konnte. Sie schuf auch die Grundlagen zu seiner Existenz, schon vor vielen Jahrtausenden.

Als sich der etwa um 800 von Karl dem Großen gegründete Bischofssitz später zu einer Stadt entwickelte, war die Stadtmauer neben dem Markt und einer eigenen Ratsbehörde das wesentlichste Kennzeichen dieses städtischen Gemeinwesens. Diese hohe, feste Mauer machte Minden zu einem selbständigen Organismus. Damit wurden aber auch bestimmte Leistungen von den Bürgern verlangt. Vor allem, wenn es hieß, an einem Kriegs- oder Fehdezug teilzunehmen oder um feindliche Heere von der Stadt abzuschlagen. Dadurch erhielt das Bürgerangebot seinen militärischen Charakter und seine politische Bedeutung; gewissermaßen war damit die 'Wehrpflicht' eingeführt.

Über die Anfänge der Organisation des Wehraufgebotes ist relativ wenig bekannt. Zunächst spielten die Zünfte und Innungen eine gewichtige Rolle beim bürgerlichen Wehrdienst. Jeder junge Meister, der in eine Innung aufgenommen werden wollte, musste mit Spieß, Schild und Armbrust versehen sein. Neben diesem, durch die Innungen gestelltem, „Fußvolk“ verfügte die Stadt auch über eine Reiterei. Sie rekrutierte sich vorwiegend aus Kaufleuten. Hier finden sich bereits die ersten Gedanken an die heutige Eskadron.

Im Verlauf der Geschichte wurde das Wehraufgebot nicht mehr nach Innungen und Zünften aufgegliedert, sondern es erfolgte eine Einteilung der Bürgerschaft nach Vierteln oder Quartieren. Der Dreißigjährige Krieg, mit der Besetzung durch die „Kaiserlichen“ unter Tilly anno 1625 und 1634 durch die Schweden, nahm den Mindenern ihre Selbständigkeit. Jedenfalls ist von militärischen Übungen der Bürgerschaft in dieser Zeit nicht die Rede. Aber für andere öffentliche Aufgaben wie Wach-, Bollwerks- und Feuerlöschdienste wird die Stadt erstmals in sechs Bezirke eingeteilt: Das Marienthorsche, Weserthorsche, Hallerthorsche und Kuhthorsche Quartier, das Marktquartier und die Fischerstadt.

Noch heute gliedert sich das Bürgerbataillon traditionsgemäß in sechs Kompanien, entsprechend den Stadtbezirken, ergänzt durch die Eskadron und das Tambourkorps.

Jetzt begegnen wir auch zum ersten Mal dem Begriff „Stadtoffizier“, das heißt einem Offizier aus der Bürgerschaft. Bis zu diesem Zeitpunkt, also vor Beginn des 30-jährigen Krieges, waren die Hauptleute und Leutnante Berufssoldaten. Nun aber haben Bürger die Führung des Bürgeraufgebotes für Wachen, Bollwerk und den Feuerlöschdienst selbst als Offiziere übernommen. Wir finden die Bezeichnung „Stadtoffizier“ erstmalig in der Feuerordnung von 1639.

1679 lesen wir bereits die Bezeichnung „Stadtmajor“. Hier wird zwar noch ein ehemaliger brandenburgischer Festungsoffizier so genannt, aber diese Bezeichnung wird sich später durchsetzen. Noch bilden die Stadtoffiziere ein Kollegium von Leutnanten und Fähnrichen unter dem Vorsitz eines Direktors, der selbst Leutnant war. Auf die heutige Zeit übertragen, ist der Direktor der Stadtmajor und das Kollegium sind die Stadtoffiziere, die sich regelmäßig zu Sitzungen im Rathaus treffen. Die Stadtoffiziere werden nach alter Tradition vorn Bürgermeister in ihr Amt eingeführt.

In den Kompanien gibt es folgende Dienstgrade:

Unteroffizier, Sergeant, Vizefeldwebel, Feldwebel (nur einmal vertreten als Kompanie-Feldwebel). Ferner den Leutnant, Oberleutnant und Hauptmann. Der Kompanie-Chef hat in der Regel den Dienstgrad eines Hauptmannes. Die Eskadron und das Tambourkorps haben eigene Dienstgrade.

Nun zum wichtigsten Ereignis des Bürgerbataillons und der Stadt Minden:

Dem "Freischießen"

Es wurde urkundlich 1682 zum ersten Mal erwähnt. Schon Anfang des 17. Jahrhunderts war es den Bürgern zur Pflicht gemacht worden, Schießübungen durchzuführen. Um das Jahr 1680 herum machte man sich im Rat Gedanken darüber, diese Schießübungen in den Rahmen eines großen Festes einzubinden. Im Jahre 1682 beschloss die Stadtvertretung, dieses Fest im Sommer zu feiern - möglichst vor der Ernte. Der beste Schütze wurde für ein Jahr von der Steuer befreit. Daher der Name „Freischießen“. Dabei tat der Amtmeister Stolte den besten Schuss. Dieser brachte dem Johann Stolte, als sicherlich wohlhabenden Mann, eine Steuerersparnis von 13 Talern. Zu dieser Zeit wurde ein Schaf mit einem und ein Pferd mit sieben Talern bezahlt. Die Steuerbefreiung wurde 1685 durch einen Erlass des Großen Kurfürsten um eine Schießprämie von 50 Talern erweitert, was besonders für weniger Begüterte eine enorme Verbesserung bedeutete.

Das Freischießen wird bis in die heutige Zeit nach den überlieferten Statuten und Regeln gefeiert. Seit einiger Zeit allerdings in zweijährigem Rhythmus. Dafür werden aber zwei Könige ausgeschossen. Diese Könige erhalten noch heute die Schießprämie, die vom Land Nordrhein-Westfalen als Rechtsnachfolger ausgesetzt und meistens vom Regierungspräsidenten in Detmold persönlich überbracht wird.

In den Anfängen bestanden die Aufgaben des Bürgerbataillons im Wach-, Wehr- und Bollwerksdienst sowie in starkem Maße im Feuerlöschdienst. Dieser wurde 1919 in die Verantwortung der Freiwilligen Feuerwehr übergeben.

Minden galt aufgrund seiner geographischen Lage immer als ein wichtiger Pionierstandort der Bundeswehr. Da ist es mehr als selbstverständlich, dass enge Beziehungen zu den Kameraden der Pioniere nun schon mehrere Jahrzehnte bestehen. Seit 1993 besteht eine offizielle Patenschaft zwischen der Bundeswehr in Minden und der Stadt. In diesem Jahr feiert mit der Bürger-Eskadron eine weitere des Bürgerbataillons das 50-jährige Patenschafts-Jubiläum zu einer Einheit der Mindener Pioniere.

(Text und Foto: Mindener Bürgerbataillon)

Lest mehr Wissenswertes zum Freischießen 2019 in unserem Blog!