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Sagenumwobene Heilpflanze

Die Mistel ist eine wundersame Pflanze, die erst in den Wintermonaten, wenn die Bäume kahl sind, richtig sichtbar wird. Sie wächst in Kugelform versteckt und unscheinbar auf verschiedenen Baumarten.

Sie galt bereits in der Antike als Heilmittel mit magischen Kräften. Bereits vor 1.500 Jahren erkannten die Menschen die besondere Heilwirkung der Misteln – sie galten als Allheilmittel. Misteln wurden mit goldenen Sicheln von den Bäumen geerntet, wobei die Pflanzen nach einer Sage niemals den Boden berühren durften, da sie ansonsten ihre Wirkung verlieren würden. Der botanische Name der Mistel lautet „Viscum album“. „Viscum“ bezieht sich auf die starke Klebrigkeit der Beeren, die die Römer für die Leimherstellung nutzten. Der Begriff „Album“ dagegen ist von der Farbe der Beeren abgeleitet und bedeutet weiß.

Misteln sind Halbschmarotzer, die anhand ihrer Wurzeln Flüssigkeit und Nährstoffe aus dem Wirtsbaum beziehen. Sie können jedoch selbst Fotosynthese mit ihren Blättern betreiben. Bäume, die von vielen Misteln bewachsen sind, leiden darunter und sterben schließlich ab. Aber die Misteln wachsen langsam. Vereinzelt können sie einem großen Baum nicht viel anhaben. Bestimmte Baumarten werden bevorzugt von Misteln besetzt, beispielsweise Pappeln, Apfelbäume und Tanne. Andere Baumarten wie Birnbaum, Eberesche, Kiefer, Linde und Weide werden nur ab und zu von Misteln bewachsen. Sehr selten wächst die Mistel auch auf Eichen, wo sie als besonders heilkräftig gilt. Ab Ende Februar blühen die Misteln. Die Blüten duften schwach nach Orangen, was viele Insekten anlockt. Ab September reifen die weißen Beeren. Die Beeren sind klebrig.

Die Mistel

 

In der modernen Pflanzenheilkunde wird die Mistel gegen Bluthochdruck und Krebs eingesetzt. Doch sie kann noch viel mehr. Die Wirksamkeit von Mistelpräparaten bei einer begleitenden Krebstherapie und zu deren Nachbehandlung wurde durch Studien untermauert. Der Erfolg der herkömmlichen Krebstherapie kann bei Zugabe von Mistelpräparaten in vielen Fällen verbessert und Nebenwirkungen von Chemotherapien gelindert werden. Als alleinige Behandlung gegen Krebs ist die Misteltherapie jedoch nicht zu empfehlen.

Hier ein Steckbrief ihrer verschiedenen anderen Heilwirkungen:
Sie ist beruhigend, blutstillend, entzündungshemmend, harntreibend, krampflösend und wirkt bei Herzschwäche, Ödemen, Fieber, Schwindel, Bauchspeicheldrüsenschwäche, Gallenschwäche, Nervenschwäche, Kopfschmerzen, Gelenkentzündung, Wechseljahrsbeschwerden, Heuschnupfen, Krampfadern, Ekzemen, Geschwüren, Arthrose, Rheuma, Verstopfung und Magenschwäche. Misteln enthalten viel Eiweiß, Kalium, Phosphat, Bitterstoffe und Zink.

Weitere umgangssprachliche Namen der Mistel sind Drudenfuß, Hexenbesen, Vogelmistel, Wintergrün, Bocksfutter, Knisterholz, Albranken und viele andere. Misteln zählen zu den geschützten Pflanzen und dürfen in Deutschland nicht gesammelt werden. Man kann sie aber in Gärtnereien kaufen. In Frankreich zum Beispiel gibt es mehr Misteln: dort dürfen sie gepflückt werden.

Misteln werden nach wie vor als Glücksbringer gesehen, aber nur solche, die man als Geschenk erhält. Zur Zeit der Wintersonnenwende und zu Weihnachten werden sie an Türen, Balken oder Decken gehängt. Im Mittelalter sollte dieser Brauch das Haus vor Schaden bewahren. Außerdem heißt es, wer sich unter einem Mistelzweig küsst, wird ein glückliches Paar. (Text: Annina Pietza, SENIOREN JOURNAL, Foto: andersphoto - Fotolia)