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Überlebende des Holocaust spricht in Porta Westfalica

Porta Westfalica -

Überlebende des Holocaust spricht in Porta Westfalica

Gizella Mann war mit 15 Jahren im Außenlager des KZ Neuengamme an der Porta Westfalica interniert. Die brachliegenden Sandsteinstollen des ehemaligen Steinbruchs an der Porta Westfalica waren im März 1944 seitens des NS-Regimes für die Untertageverlagerung von rüstungswirtschaftlich wichtigen Produktionsanlagen ausgewählt worden. Um die Rüstungsverlagerung zu ermöglichen, mussten die Stollen beiderseits der Weser zum Teil erheblich erweitert und ausgebaut werden. Zusätzlich benötigte man Arbeitskräfte im Bergwerk Kleinenbremen, zur Reparatur von Flugzeugmotoren in einer oberirdisch eingerichteten Werkstatt in Lerbeck sowie in den unterirdisch verbrachten Produktionsanlagen.

Schätzungen zufolge wurden an der Porta Westfalica ca. 3.000 KZ-Häftlinge, ca. 2.000 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter und ca. 2.500 zivile Arbeiter sowie ca. 1.000 Arbeitskräfte im Bergwerk Kleinenbremen beschäftigt. Die Gesamtzahl der an der Porta Westfalica für den Ausbau der Stollen und für die Rüstungsindustrie eingesetzten Arbeitskräfte bewegt sich somit zwischen 6.500 und 8.500 Menschen. Die Häftlinge waren unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen ausgesetzt. Viele der durch Unterernährung und Krankheiten geschwächten Häftlinge starben. Die Zahl der Toten kann nur geschätzt werden.

Freitag, 2. Juni 2017, 18:00 Uhr
Forum Schulzentrum Süd
Hoppenstraße 48, Porta Westfalica-Hausberge

Gizella Mann, geb. Schöner, wurde 1929 in Czenger, Ungarn geboren. Die Jüdin wurde im April 1944 mit 14 Jahren zusammen mit ihrer Familie in das Ghetto Mateszalka und von dort nach Auschwitz deportiert. Von ihren sechs Geschwistern überlebten ihre drei ältesten Brüder sowie ihre Schwester. Ihre Eltern, die 12- und 13jährigen Brüder sowie das 22 Monate alte Kind ihrer Schwester wurden ermordet. Im Oktober 1944 kam Gizella Mann über das KZ Neuengamme ins Außenlager in Horneburg. Hier wurden zwischen Oktober 1944 und Februar 1945 Radioröhren für die Phillips-Valvo Röhrenwerke produziert.

Im Februar 1945 wurde die Produktion aus Horneburg in die Untertageanlage Stöhr 1 am Jakobsberg verbracht. Die KZ-Insassinnen, unter ihnen auch Gizella Mann, kamen mit der Produktion ebenfalls nach Porta Westfalica. Im Rahmen der Evakuierung der Lager an der Porta Westfalica am 1. April 1945 kam Gizella Mann ins Neuengammer Außenlager Beendorf. Als auch dieses Lager Mitte April 1945 geräumt wurde, brachte die berühmte Bernadotte-Aktion ihr die Freiheit.

1948 wanderte sie zusammen mit ihrem Verlobten, ebenfalls Holocaust-Überlebender, nach Israel aus und von dort 1964 in die USA. Seit 2015 lebt sie wieder in Israel, mittlerweile in Jerusalem. Gizella Mann hat zwei Kinder und fünf Enkelkinder.

Nach 72 Jahren kehrt Gizella Mann nun noch einmal nach Porta Westfalica zurück.
Nehmen Sie diese außergewöhnliche Gelegenheit wahr, mit ihr als Zeitzeugin ins Gespräch zu kommen.

Der Eintritt ist frei.

Eine Veranstaltung der Stadt Porta Westfalica und des Vereins KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica e.V.

(Text und Foto: Stadt Porta Westfalica)

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