Digitales Handwerk als Chance begreifen
Bad Oeynhausen -

Die digitalen Herausforderungen an das Handwerk standen im Mittelpunkt des dritten Unternehmerfrühstücks der Stadt Bad Oeynhausen in diesem Jahr. Wieder waren mehr als 50 heimische Unternehmerinnen und Unternehmer der Einladung der städtischen Wirtschaftsförderung in den Oeynhausen-Saal im Kaiserpalais gefolgt.
Bürgermeister Achim Wilmsmeier freute sich bei der Begrüßung über die anhaltend hohe Resonanz, die die Veranstaltung hat. Als Referenten begrüßte er Christoph Krause vom Kompetenzzentrum Digitales Handwerk in Koblenz und Eva Reckmann von der Firma Ambrosia aus Wulferdingsen, die sich auf digitale Lösungen für das Facility Management spezialisiert hat.
Christoph Krause rief die Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem Handwerk auf, mutig zu sein, und auch mal in digitale Prozesse im ansonsten analogen Handwerk zu investieren. „Sie müssen es nur einfach machen. Wenn Sie scheitern – ok, dann probieren Sie halt was anderes.“ In seinem kurzweiligen einstündigen Vortrag ohne Punkt und Komma zog er die Zuhörer in seinen Bann und bezog sie immer wieder mit ein. Seine Kernbotschaften untermalte er mit Beispielen, die ankamen. So gebe es zum Beispiel in seiner Heimatregion Koblenz einen Bäcker, der für die Hygienebelehrungen seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine digitale Lösung entwickelt hat und damit viel Zeit spart, die dann am Ende für die eigentliche Arbeit, das Backen, wieder mehr Zeit haben. Den letzten entscheidenden Schritt habe dieser Bäcker aber noch nicht gemacht, sagte Krause. „Ich habe ihm gesagt er soll das Ding vermarkten, aber das will er nicht. Er will die Lösung für sich behalten. Aber mal sehen, vielleicht kann ich ihn noch überreden.“
Darum gehe es im Handwerk: Jeder einzelne müsse bereit sein, sich auch andere Geschäftsfelder zu erschließen. Eine weitere virtuelle Begleiterin seines Vortrages war eine Freundin Namens Julia, die nach dem Studium entgegen vorherigen Plänen in die Schreinerei ihres Vaters eingetreten sei. „Julia hat den Laden ihres Vaters richtig aufgemischt und bietet mittlerweile maßgeschneiderte Echtholzmöbel an, die die Kunden auf ihren Bedarf zugeschnitten in einem 3-D-System entwerfen können.“ Und auch ihr Vater habe die Vorbehalte der Digitalisierung mittlerweile aufgegeben. „Das Ende ist da noch lange nicht erreicht. Irgendwann bekommen die Tische dann RFID Chips, die die Feuchtigkeit messen und dem Kunden am Ende auch sagen, wann der Tisch mit Pflegeöl behandelt werden muss.“ Diesen Weg müssten die Handwerker mitgehen, rief Krause die Gäste des Unternehmerfrühstücks auf. „Wenn Sie dieses Geschäft nicht machen, machen es andere. Machen Sie es einfach. Seien sie mutig.“
Die praktische Seite des digitalen Handwerks beleuchtete Eva Reckmann in ihrem anschließenden Vortrag. Ganz konkret erläuterte Sie die Möglichkeiten digitaler Haustechnik. Das fange schon beim Bau eines neuen Hauses an. „Glauben Sie, dass ein neues Haus mit der Schlüsselübergabe an den Eigentümer auch betriebsbereit ist?“ fragte sie provozierend in die Runde, um die erwartete Antwort: „Nein.“ zu bekommen. Genau darum gehe es ihr bei ihrer Arbeit. Das Handwerk müsse sich auch hier schon der Digitalisierung öffnen und die entscheidenden Schritte bereits bei der Planung eines Hauses und beim Bau selbst einleiten und begleiten.
Viele Teilnehmer des Unternehmerfrühstücks nutzen das Treffen, um mit den Referenten im Anschluss an die Vorträge ins Gespräch zu kommen und auch untereinander Kontakte zu knüpfen. Genau dieses Ziel des ‚Netzwerkens‘ verfolgen der städtische Wirtschaftsförderer Patrick Zahn und Bürgermeister Achim Wilmsmeier mit dieser Veranstaltung. Wilmsmeier: „Der rege Austausch untereinander und auch die vielen und langen persönlichen Gespräche mit den Referenzen zeigen mir, dass wir mit dem Unternehmerfrühstück den richtigen Nerv getroffen haben.“
(Text und Foto: Stadt Bad Oeynhausen)
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