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Hilfen für Kinder kranker Eltern

Minden -

Hilfen für Kinder psychisch und suchtkranker Eltern standen im Vordergrund beim Fachtag der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaften im Kreishaus in Minden. 90 Experten aus diesem Bereich trafen sich hier zum gemeinsamen Austausch und gaben neue Impulse zur multiprofessionellen Kooperation und Vernetzung auf regionaler Ebene. Die berufs- und einrichtungsübergreifenden Veranstaltungen der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft (PSAG) der Untergruppe Kinder und Jugendliche dienen neben der beruflichen Weiterbildung hauptsächlich der Vernetzung und Vertiefung der Kooperation zwischen den Berufsgruppen und den Einrichtungen im Kreis Minden-Lübbecke.

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(v.l. oben): Mareike Awolin (Drogenberatungsstelle, Kreis Minden-Lübbecke), Turia Rahlfs (Tagesklinik KJP, Klinikum Lippe GmbH), Linda Backhaus (Psychologischer Dienst, Elsa-Brandström-Jugendhilfe), Sonja Dührkoop (Sozialpsychiatrischer Dienst, Kreis Minden-Lübbecke), Harald Sondermann (Oberarzt, Medizinisches Zentrum für Seelische Gesundheit Lübbecke), Julie Meyer (Frühe Hilfen, Kreis Minden-Lübbecke), Heike Meier (Sozialpsychiatrischer Dienst, Kreis Minden-Lübbecke), Thorsten Bülte (Allgemeiner Sozialer Dienst, Jugendamt Porta Westfalica), Doreen Evans (Psychiatriekoordination, Kreis Minden-Lübbecke), Manuela Schwengel (Sozialdienst, Medizinisches Zentrum für Seelische Gesundheit Lübbecke), Stefanie Marien (Aufwind e.V. – Hilfen für Kinder psychisch erkrankter Eltern), Peter Föhlingsdorf (ZPI - Zentrum für Prävention und Intervention im Kindes- und Jugendalter e.V.), Britta Plester-Jopen (Beratungsstelle für Schul-und Familienfragen, Kreis Minden-Lübbecke), Landrat Dr. Ralf Niermann

„Das Thema ist hochaktuell“, sagte Landrat Dr. Ralf Niermann zu Beginn der Veranstaltung. „In Deutschland wächst etwa jedes sechste Kind in einer Familie mit Suchtproblemen auf. Deutschlandweit sind ca. 2,65 Millionen Kinder betroffen, die Dunkelziffer ist ebenfalls sehr hoch. Allein in OWL kann man von ca. 65.000 betroffenen Kindern ausgehen.“ Die Teilnehmenden der Veranstaltung waren sich einig, dass die Lage der betroffenen Kinder noch intensiver in allen Bereichen Berücksichtigung finden muss. „Häufig vergeht viel Zeit, bis professionelle Hilfen gesucht werden“, sagt Doreen Evans, die den Fachtag gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen organisiert hat. „Daher sollte es mehr niedrigschwellige, vernetzte, und dauerhaft finanzierte Hilfe- und Beratungsangebote geben. Wir würden uns außerdem eine kooperative Versorgungsstruktur wünschen“.

Unterstützung für die betroffenen Kinder ist dringend nötig: Sie sind die größte bekannte Risikogruppe dafür, eine eigene Suchterkrankung zu entwickeln. Da sich Suchterkrankungen oft durch die Familiengeschichte ziehen, sind sie ihr Leben lang gefährdet. Ungefähr ein Drittel dieser Kinder wird selbst abhängig und ein weiteres Drittel leidet unter psychischen Störungen. Auch wenn also etwa ein Drittel immerhin nicht erkrankt oder abhängig wird: Über die Hälfte der Abhängigen zwischen 14 und 21 Jahren stammen aus Familien mit mindestens einem alkoholabhängigen Elternteil. Ähnlich ist es bei Kindern psychisch erkrankter Eltern. Zwei bis drei Millionen Kinder leben in Familien, in denen mindestens ein Elternteil zum Beispiel an Depressionen, Schizophrenie oder Zwangsstörungen leidet. 500.000 von ihnen haben ein Elternteil mit schweren psychischen Störungen. Diese Kinder haben ein bis zu siebenfach höheres Risiko, eine affektive Störung zu entwickeln.

Mit welchen besonderen Schwierigkeiten betroffene Familien zu kämpfen haben, wurde aus Sicht zuständiger Beratungsstellen, der Kinder- und Jugendhilfe, der Kinder- und Jugendpsychiatrie und der Erwachsenenpsychiatrie dargestellt und stand im Mittelpunkt der Fachtagung ebenso wie die Frage, wo es Schnittstellen gibt und wie Kooperation gelingen kann.
(Text & Foto: Kreis Mi-Lk)