Mühlenkreiskliniken: Eine starke Gemeinschaft
Kreis Minden-Lübbecke -
Gesundheit ist das höchste Gut, das wir besitzen. Wie wichtig sie ist, merken wir häufig erst dann, wenn wir oder unsere Angehörigen erkranken. Neben den niedergelassenen Medizinern sind die Krankenhäuser und Kliniken die Säule, auf der die Gesundheitsversorgung ruht. Dies gilt für ganz Deutschland und auch für den Kreis Minden-Lübbecke.
In den vergangenen Jahren gab es eine immer wiederkehrende bundesweite Diskussion über die Kosten des Gesundheitswesens und ihre Finanzierung. Eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, gerade wenn man bedenkt, dass die Menschen immer älter und damit auch kränker werden und die Medizin immer weitere Fortschritte macht. Wie kann die stationäre medizinische Versorgung gewährleistet werden? Das ist eine Frage, die im Kreis Minden-Lübbecke seit über 100 Jahren vom Kreis, seinen beiden Vorgängerkreisen und den Städten und Gemeinden beantwortet werden musste und beantwortet wurde.
Die Ursprünge fast aller Krankenhäuser und Kliniken im Mühlenkreis liegen in Bestrebungen und Bemühungen von Kirchengemeinden, Klöstern und Stiften, Kranke zu versorgen. Während sich in anderen Regionen diese kirchlichen Traditionen durchsetzten, nahmen sich in Bad Oeynhausen, Lübbecke, Minden und Rahden die Kommunen und die Bürgerschaft des Themas an. Um 1900 wurden in diesen Städten Krankenhäuser gegründet und gebaut, teilweise in städtischer Trägerschaft, teilweise in der Trägerschaft des Kreises.
Bad Oeynhausen
Das erste Krankenhaus in Bad Oeynhausen stand an der Weserstraße. Es wurde 1904 eröffnet und lag gegenüber dem Süd-Bahnhof. 75 Betten standen für die Krankenversorgung zur Verfügung. Während der Besatzung nach dem zweiten Weltkrieg war das Haus von britischen Streitkräften besetzt und das Krankenhaus wurde vorübergehend auf den Wittekindshof in den Ortsteil Volmerdingsen verlegt. Da Anfang der 50er Jahre nicht absehbar war, wann das Gebäude wieder genutzt werden könnte, wurde mit einem Neubau an der Wielandstraße begonnen. Im Laufe der Jahrzehnte wurde es ständig erweitert und umgebaut. Sieben Kliniken und Institute und über 300 Betten stehen dort heute zur Verfügung.

Seit 60 Jahren standorttreu: das Krankenhaus Bad Oeynhausen.
Die Auguste-Viktoria-Klinik (AVK) entstand 1913 als Kinderheim. Auch hier gab es eine sehr wechselvolle und bewegende Geschichte. Mehrmals war die AVK ein Lazarett für in den Weltkriegen verletzte Soldaten. Nach dem zweiten Weltkrieg nahm man sich zunächst der Therapie von an Polio-erkrankten Kindern an. Schließlich erwuchs daraus eine enorme orthopädische Kompetenz. Heute ist die AVK eine der führenden orthopädischen Spezialkliniken in Deutschland. In der Allgemeinen Orthopädie und der Wirbelsäulenchirurgie, werden jährlich über 3.000 Patienten behandelt.
Lübbecke/Rahden
In Rahden entstand in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts ein Pflegehaus. In den folgenden Jahrzehnten wuchs es mit der steigenden Bevölkerung und einer Vielzahl von Erweiterungen zu einem Krankenhaus. Der Kreis Lübbecke weihte am Standort Lübbecke 1897 ein erstes reguläres Kreiskrankenhaus an der Liemschen Straße mit 50 Betten ein. 1969 beschloss der damalige Kreistag Lübbecke einen Neubau des Krankenhauses. 1977 wurde mit den Planungen zu einem somatischen, psychiatrischen Krankenhaus in Lübbecke begonnen.

Am 27. April 1985 konnte es schließlich durch Arbeits- und Sozialminister Prof. Dr. Friedhelm Farthmann eingeweiht werden. Schon zum Baubeginn 1979 hatte er den „Startschuss“ für dieses Projekt gegeben. Heute sind beide Standorte zum Krankenhaushaus Lübbecke-Rahden zusammengefasst. Sieben Kliniken, Instituten und Zentren sind hier angesiedelt. Über 350 Betten stehen für die Patienten zur Verfügung. Noch einmal über fast 200 Betten verfügt das stationäre Angebot des Medizinischen Zentrums für Seelische Gesundheit (ZSG). Die ehemalige Psychiatrie wurde im Jahr 2011 als ZSG verselbständigt.
Minden
Das städtische Krankenhaus wird 1904 an der Mindener Friedrichstraße bezogen. Um 1926 wird die Bettenzahl erstmals auf 180 erhöht. Ein Internist, ein Chirurg, ein Assistenzarzt, zwei Krankenpfleger und 17 Diakonissen gewährleisten die Versorgung. Weitere An- und Umbauten folgen. 1945 übernimmt der Kreis das ehemalige Standort-Lazarett der Streitkräfte an der Portastraße (Schinkelbau). Kurz darauf wird der Zweckverband Stadt- und Kreiskrankenhaus Minden gegründet. Ab 1978 wurden beide Häuser in „Klinikum Minden“ umbenannt. Die Standorte firmieren unter den Namen Klinikum I und Klinikum II.
Aus einem städtischen Krankenhaus entwickelt sich im Lauf der Jahre ein in vielen medizinischen und pflegerischen Bereichen landes- und bundesweit mit an der medizinischen Spitze stehender Maximalversorger. Baulich musste der stetigen Entwicklung Rechnung getragen werden. Anfang des Jahrtausends begann der Bau des Johannes Wesling Klinikums. Seit 2008 steht am Nordhang des Wiehengebirges eine der schönsten und modernsten Großkliniken Europas.

Seit fünf Jahren am Netz: der Maximalversorger Johannes Wesling Klinikum Minden.
Minden-Lübbecke
Ist stationäre Gesundheitsversorgung eine Stadt- oder Kreisaufgabe? Diese Frage bewegte die Kommunalpolitiker im Kreis Minden-Lübbecke immer wieder. Dies spiegelt sich auch in den wechselnden Trägerstrukturen der einzelnen Krankenhäuser. Im Jahr 2006 wurde die Frage zuletzt beantwortet: Die Verantwortlichen kamen zu dem Schluss, dass es am zielführendsten und zweckmäßigsten sei, es als Kreisaufgabe zu betrachten.
Kleine Einheiten, das wurde immer deutlicher, wären nicht in der Lage auf die komplexer werdenden Fragestellungen zu reagieren. Damals wurde die Mühlenkreiskliniken (MKK) AöR (Anstalt öffentlichen Rechts) gegründet. Zu ihr gehören das Johannes Wesling Klinikum Minden, das Krankenhaus Bad Oeynhausen, das Krankenhaus Lübbecke-Rahden, die Auguste-Viktoria-Klinik GmbH, das Medizinische Zentrum für Seelische Gesundheit, die Akademie für Gesundheitsberufe, die MVZ Mühlenkreiskliniken GmbH.
Ziel des Zusammenschlusses war es, die stationäre medizinische Versorgung der Menschen im Kreis Minden-Lübbecke, trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen, für die Zukunft zu sichern und weiter zu entwickeln. Entstanden ist einer der größten Krankenhauskonzerne in kommunaler Trägerschaft in Deutschland. Wissen und Können auf allen Ebenen, sowohl im medizinisch-pflegerischen als auch im technisch-betriebswirtschaftlichen Bereich ist hier gebündelt worden.
Durch den Bau des Johannes Wesling Klinikums war der Konzern vorübergehend in eine finanzielle Schieflage geraten. Der Kreis Minden-Lübbecke stand als Träger in dieser Phase zu seinem Konzern und hatte den Mut, die notwendigen personellen und strukturellen Entscheidungen zum Aufbau eines neuen Managements zu treffen. Aus diesem Grund und dank hervorragender Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelang es in einem harten Sanierungskurs, die Kliniken zurück in die Erfolgsspur zu führen. Während andere Krankenhäuser in Deutschland um ihr wirtschaftliches Überleben ringen, können sich die MKK mittlerweile stärker auf den Ausbau und die Sicherung der Versorgungsqualität konzentrieren.
Sie verfügen heute über insgesamt fast 2.000 Betten und gemeinsam über 42 Kliniken, Abteilungen und Institute, die eine stationäre Versorgung auf Großstadtniveau gewährleisten. Über 4.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, vom Arzt über die Pflegekraft, bis hin zu Betriebswirten, Ingenieuren oder Köchen sind hier beschäftigt. In der Akademie für Gesundheitsberufe werden über 400 Menschen in Ausbildungsgängen und einem dualen Studium auf die Arbeitswelt vorbereitet. Die MKK sind damit nicht nur der größte Arbeitgeber, sondern auch der größte Ausbildungsbetrieb im Kreisgebiet. (Text und Fotos: MKK)


