Planungen für ECE-Shopping Center auf der Zielgeraden
Minden -
Bekanntlich plant die Stadt Minden zusammen mit dem Investor ECE Projektmanagement GmbH ein großes Einkaufscenter am ehemaligen Hertie-Standort. Mittlerweile befinden sich die Planungen für eine bis zu 23.000 Quadratmeter große Verkaufsfläche auf der Zielgeraden. Die Stadt Minden erhofft sich von der Realisierung dieses Projektes eine Steigerung der Attraktivität der Innenstadt, Kaufkraftzufluss und nicht zuletzt mehr Steuereinnahmen. Doch die ECE-Arbeitsweise und –Ziele wurden jüngst in der ARD-Sendung „plusminus“ kritisch beleuchtet.
Unter dem Titel "Einkaufszentren - Beleben überdachte Center die Innenstädte?" wurden in einem Beitrag am 23. Januar deutsche Städte gezeigt, die bereits ECE-Center in der Innenstadt realisiert haben – immer mit dem Argument „Belebung der Innenstädte“. Die in dem Beitrag zitierte Hamburger Ökonomin Monika Walther hat mehr als 60 deutsche Städte untersucht, und stellt fest, dass meist nur die Center profitieren - die Innenstädte leiden. Der Investor ECE hingegen äußert sich im Beitrag so: "Wir freuen uns, dass in den allermeisten Fällen Bürger, Stadtverwaltungen, Gutachter und Medien unseren Einkaufsgalerien bestätigen, dass sie die jeweiligen Innenstädte gestärkt haben."
Weiterhin wird den Entwicklern der Gebäude vorgehalten, die Center so zu planen, dass Kunden möglichst wenige Anknüpfungspunkte an die Innenstadt haben. Durch bauliche Maßnahmen soll der Kunde zu einem Rundlauf animiert werden, um sich möglichst lange im Center aufzuhalten und dort sein Geld auszugeben.
Aber: Ist diese Kritik berechtigt – insbesondere im Hinblick auf das Vorhaben in Minden? Hat die Stadt Minden Vorsorge getroffen, die Negativentwicklungen ausschließt? HALLO MINDEN hat Fragen dazu gestellt – die Stadt Minden hat wie folgt geantwortet.
HALLO MINDEN: Der Beitrag behauptet, dass ein Center kein Interesse an einer Belebung der Innenstadt hat und nur seine eigenen Verkaufsinteressen durchsetzt. Eine Studie soll ergeben haben (60 Städte wurden untersucht), dass Innenstädte mit diesen Centern ausgestorben sind und der "normale" Einzelhandel noch mehr geschwächt wurde. Dies würde zu weiteren Leerständen führen. Wie möchte die Stadt Minden diese Negativentwicklung verhindern?
Stadtverwaltung: Die Stadt Minden konzentriert sich bei der Steigerung der Attraktivität der Innenstadt nicht nur auf die Errichtung eines Einkaufszentrums. Mit dem Masterplan "Aktives Stadtzentrum - Minden Innenstadt" und dem zugehörigen integrierten Handlungskonzept haben wir - nach ebenfalls umfangreicher Beteiligung der Bürgerschaft im Innenstadtforum - ein vielfältiges Maßnahmenpaket beschlossen. Mit der Neugestaltung des ZOB konnte bereits eine wichtige Maßnahme abgeschlossen werden. Der nächste Schritt wird mit der vollständigen Neugestaltung der Fußgängerzone erfolgen. Nach Abschluss der Kanalbauarbeiten wird zunächst die Bäckerstraße und anschließend der Scharn erneuert, in einem weiteren Schritt wird dann die Obermarktstraße folgen. All diese Maßnahmen sollen zu einer Steigerung der Attraktivität der gesamten Innenstadt beitragen, Leerstände verhindern und Neuansiedlungen unterstützen.
HALLO MINDEN: Welche Maßnahmen sind geplant, die übrigen Einzelhändler der Innenstadt an das Center anzuknüpfen und somit an der positiven Entwicklung zu beteiligen?
Stadtverwaltung: Die Bürgerinnen und Bürger haben während der drei Planungswerkstätten zahlreiche Vorschläge für eine Integration des Centers in den vorhandenen Stadtraum erarbeitet. Dazu gehört z.B. eine deutliche Aufwertung der Johannispassage, eine Belebung des Johanniskirchhofs, die Schaffung mehrerer, nach außen zur Bäckerstraße gerichteter Eingänge in einzelne Geschäfte des Einkaufszentrums, 24-Stunden geöffnete Durchgänge im Bereich des Marienwalls und eine deutliche Aufwertung des Übergangs von der Fußgängerzone in Richtung Schlagde und Weser. Zahlreiche Vorschläge wurden von der ECE bereits in ihre Konzeptionierung übernommen. Die ECE hat in der jüngsten Veranstaltung zum Thema Handel erklärt, dass sie auch das Stadtmarketing und die Werbegemeinschaft aktiv unterstützen wird. Dieses Engagement ist auch in anderen Städten üblich.
HALLO MINDEN: Der ECE wird vorgehalten, zu sehr die Richtung für die Projekte vorzugeben. Wie viel Einfluss haben Stadt und Bürger überhaupt auf das Projekt in Minden?
Stadtverwaltung: Die Stadt Minden ist von Anfang an aktiv in den Prozess eingebunden. Nicht zuletzt ist sie im Rahmen der Bauleitplanung Träger der Planungshoheit und hat daher maßgeblichen Einfluss auf das Projekt. Die Bürgerinnen und Bürger waren in den Planungswerkstätten intensiv eingebunden, und der gesamte Prozess wird weiter mit einer breiten öffentlichen Information und Beteiligung fortgesetzt.
HALLO MINDEN: Eine weitere Behauptung in dem „plusminus“-Beitrag ist, dass in den Centern nur Einzelhandelsketten zu finden sind. Die in Minden bereits vorhandenen würden in das Center umziehen und neue Leerstände in der Innenstadt hinterlassen. Gibt es ein Konzept der Stadt Minden, das diese "Lücken" schließt?
Stadtverwaltung: Die Stadt Minden ist in erster Linie daran interessiert, die zurzeit in der Innenstadt nicht vorhandenen oder unterrepräsentierten Sortimente anzusiedeln. Dazu gehören ein Elektronikfachmarkt, eine Lebensmittelmarkt, Geschirr- und Deko-Artikel sowie ein breites Angebot im Bereich Sport- und Freizeitausrüstung - mit großen Flächenanteilen (geplant hierfür allein 10.000 bis 12.000 Quadratmeter).
Die Stadt Minden hat darüber hinaus die Möglichkeit, im Rahmen eines städtebaulichen Vertrages Einfluss auf die im Center zu platzierenden Sortimente zu nehmen. So kann man z.B. vertraglich festlegen, dass nur ein gewisser Prozentsatz der Sortimente vorher in Minden vorhanden gewesen sein darf. Man wird allerdings nicht verhindern können, dass Einzelhandelsbetriebe, welche derzeit in ihrer Entwicklungsmöglichkeit beschränkt sind (z.B. durch die vorhandenen Immobilien), auch in das Center ziehen. Die Stadt Minden setzt aber darauf, dass die Attraktivität und der gesteigerte Kundenzustrom durch ein offen und durchlässig gestaltetes Center so positiv sein wird, dass die gesamte 1A-Lage davon profitiert.
Und hier sehen Sie den entsprechenden „plusminus“-Beitrag
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