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Sozialpaten seit zehn Jahren im Einsatz

Minden -

Sozialpaten seit zehn Jahren im Einsatz

Foto: Elf neue Sozialpatinnen und –paten haben ihr Zertifikat nach der jüngsten Schulungsstaffel erhalten. Zu einem Gruppenbild formierten sich alle Beteiligten vor der Eingangstür des Alten Rathauses in Minden.

Ein Projekt, das Schule macht und weiter machen soll: Vor zehn Jahren wurde in Minden das Sozialpatenmodell ins Leben gerufen, das mittlerweile auch in den Nachbarkommunen Hille, Petershagen und Porta Westfalica erfolgreich läuft. Mit den aktuell ausgehändigten Zertifikaten sind insgesamt 78 Bürger*innen zu Sozialpaten qualifiziert worden. Grund genug, den ehrenamtlich Tätigen zu danken und ihren Einsatz zu loben. „Sozialpatinnen und –paten stellen mit ihrem Engagement eine hervorragende Ergänzung des bestehenden Beratungsangebotes dar. Sie unterstützen bei Problemen mit Schulden, bei Behördengängen und Arztbesuchen, in der Haushaltsplanung und in schwierigen Lebenssituationen insgesamt“, fasst Mindens Bürgermeister Michael Jäcke bei der jüngsten Zertifikatsübergabe am 24. Februar 2017 im Rathaus zusammen.

Zertifikate an elf neue Ehrenamtliche überreicht

Elf neue Sozialpatinnen und –paten erhielten jetzt ihre Qualifizierungsurkunde aus den Händen von Michael Jäcke, Bürgermeister Bernd Hedtmann (Stadt Porta Westfalica), Karl-Heinz Hucke (Sozialamtsleiter der Stadt Petershagen) und Udo Husemeier (Sachbereichsleiter, Gemeinde Hille). Unter den bisher insgesamt 78 qualifizierten Paten sind 57 Mindener, neun Bürger*innen aus Hille, sieben aus Petershagen und drei aus Porta Westfalica sowie zwei Gäste aus Rinteln. Mit den Neuzertifizierten sind nunmehr 33 aktiv im Einsatz. „Es ist schön, dass Netzwerke über Gemeindegrenzen hinaus geschaffen wurden, vergleichbare Projekte auch in der Nachbarschaft etabliert werden und in immer mehr Gemeinden übernommen werden“, freut sich Bürgermeister Jäcke.

Es sei nicht selbstverständlich, dass sich Menschen in ihrer Freizeit ehrenamtlich engagierten und einen Großteil der freien Zeit dafür verwenden. Für ein funktionierendes Gemeinwesen werde aber gerade dieses bürgerschaftliche Engagement als „Kitt“, der die Gesellschaft zusammenhält, immer wichtiger, strichen die Repräsentanten der vier Kommunen bei der Zertifikatsübergabe heraus. Sie dankten den neuen Patinnen und Paten für ihren Einsatz, ohne den das Sozialpatenmodell im Kreis nicht funktionieren würde.

Minden hat 2007 den Stein für das Projekt nach dem „Augsburger Sozialpatenmodell“ als Vorbild ins Rollen gebracht. 2010 startete das Sozialpatenmodell in Hille, ein Jahr später in Petershagen und 2014 in Porta Westfalica. In sechs Staffeln wurden interessierte Ehrenamtliche seit Start des Sozialpatenmodells im Jahr 2007 geschult. In jeweils sieben Einheiten pro Schulungsstaffel sind die angehenden Paten in folgenden Themenbereichen ausgebildet worden: Schuldenproblematik, Soziale Leistungen, Erziehungshilfen, Mietrecht, Umgang mit Menschen mit Migrationshintergrund, ressourcen- und lebensweltorientierter Hilfeansatz sowie Organisation von Hilfen in den vorhandenen Netzwerken des Kreises Minden-Lübbecke. Auch erhielten sie wichtige Informationen für ihr Selbstverständnis zur Rolle und zum Verhalten als Sozialpatin/Sozialpate.

„Sozialpaten sind Wegweiser, sie beraten und begleiten. Ziel ist aber immer die Hilfe zur Selbsthilfe“, erläutert Thomas Volkening, Geschäftsführer der PariSozial Minden-Lübbecke/Herford. Die Hilfebedürftigen werden maximal sechs Monate begleitet und unterstützt, in Einzelfällen auch etwas länger. Am Anfang des Modells steht die/der Hilfesuchende in einer schwierigen Lebenslage. Der Kontakt wird – wenn sie/er einverstanden ist - über die Fachdienststelle oder eine Fachberatungsstelle an die Freiwilligen-Agentur Minden der PariSozial Minden-Lübbecke weitergegeben, die wiederum einen geeignete/n Sozialpatin/Sozialpaten für den bestimmten Fall auswählt. Hilfesuchende/r und Patin/Pate werden dann über ein gemeinsames Gespräch in der Freiwilligen-Agentur zusammengebracht. Hier werden auch die Aufträge und die Kooperationsbedingen genau besprochen.

Die Hilfe der Sozialpaten zielt in den meisten Fällen auf eine Klärung der oftmals komplexen Problemlagen. Sie vermitteln an professionelle Dienste, begleiten Gespräche bei Ämtern, Energieversorgern und Beratungsstellen, ordnen Unterlagen und geben Tipps zur Alltagsbewältigung. Dabei profitieren sie aus ihren reichen Berufs- und Lebenserfahrungen. „Am Ende der Begleitung steht stets die weitere eigenverantwortliche Lösung des Problems beziehungsweise der schwierigen Lebenslage“, so Marco Mehwald, Freiwilligen-Agentur.

In ihrer Tätigkeit werden die Sozialpatinnen und -paten durch einen monatlichen Erfahrungsaustausch, vierteljährliche Fallsupervisionen, weitere Fortbildungen und Einzelgespräche unterstützt. Für die Qualifikation und Begleitung der Sozialpaten ist die Freiwilligen-Agentur der PariSozial Minden-Lübbecke/Herford verantwortlich. Die Aufgabenfelder der Sozialpaten gestalteten sich sehr vielfältig. Mehr als die Hälfte der Hilfesuchenden benötigten Hilfe bei der Erledigung von Schriftverkehr und dem Besuch von Ämtern. Mehr als ein Drittel benötigte Unterstützung bei der Beantragung von Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch. Mindestens ein Drittel hatte Schuldenprobleme. Bei einem Viertel der Fälle ging es jeweils um eine Unterstützung bei der Alltagsgestaltung und Haushaltsplanung oder der Suche nach einer preiswerteren Wohnung. Darüber hinaus unterstützten die Sozialpaten Menschen mit gesundheitlichen Problemen, Analphabetismus, bei der Berufssuche und Problemen nach einer Trennung.

(Text und Foto: Stadt Minden)

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