Von der Deponie zum Wirtschaftsunternehmen
Kreis Minden-Lübbecke -
In den 1980er Jahren wurden Natur und Umwelt zu einem zentralen Thema der öffentlichen Debatte. Während Waldsterben und Atomenergie in ganz Deutschland diskutiert wurden, standen im regionalen Rahmen der Schutz von Naturräumen und die Regelung der Abfallentsorgung im Mittelpunkt. Bis in die 1970er Jahre versprach eine Vielzahl kleiner Deponien vor allem in ehemaligen Steinbrüchen und Tongruben, das Müllproblem bis in das neue Jahrtausend zu lösen.

Bis zur Entscheidung für die Pohlsche Heide standen mehrere Deponiestandorte zur Auswahl.
Im 1973 neu gegründeten Kreis Minden-Lübbecke erfüllten diese Aufgabe zuletzt die Deponien Heisterholz, Isenstedt, Varl und Wülpke. Die drastische Vermehrung der Abfallmengen in dieser Zeit zum Beispiel durch Plastikverpackungen, machte dann aber die Erarbeitung großräumiger Lösungen nötig. Vorteilhaft war es daher, dass die Kreisverwaltungen schon seit dem Abfallgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen vom 18. Dezember 1973 mit der Regelung der endgültigen Abfallentsorgung beauftragt waren, während den Städten und Gemeinden das Einsammeln und Befördern des Mülls verblieb.
Der Kreis Minden-Lübbecke nahm sich der Herausforderung durch den Aufbau einer neuen, zentralen Großdeponie an. Zusammen mit dem Staatlichen Amt für Wasser- und Abfallwirtschaft wurden Auswahlkriterien aufgestellt und 16 Standorte zwischen Neuenknick und Lever Wald in die engere Wahl gezogen. Aus Gründen des Umweltschutzes, der Verkehrsanbindung und der Entfernung von Siedlungen entschied man sich schließlich für ein im staatlichen Forstbesitz befindliches Gelände im westlichen Mindener Wald bei Hille, der sogenannten Pohlschen Heide. Am 4. März 1981 beschloss der Kreistag die Einrichtung einer Hochdeponie für Industrie und Privathaushalte an diesem Standort und gleichzeitig die Erarbeitung eines modernen Abfallkonzeptes mit Vermeidung und Verwertung. Nach dem Abschluss des Planfeststellungsverfahrens im März 1983 und dem Bauantrag im Oktober 1984 konnte nach knapp vier Jahren Bauzeit am 1. August 1989 die Abfallentsorgungsanlage Pohlsche Heide eingeweiht werden. Das Gelände wurde in mehrere Abschnitte eingeteilt, die nach und nach erschlossen werden und so eine Nutzung über viele Jahrzehnte gewährleisten. Während der erste Bauabschnitt mit 13,2 Mio. Euro gebaut wurde, wendete man beim zweiten Bauabschnitt, der 1995 eingeweiht wurde, rund 20 Mio. Euro auf.

Die "Müllkommission" des Kreises besichtigt Bauarbeiten auf der Pohlschen Heide.
Angesichts der weiter wachsenden Müllmengen und der immer knapper werdenden Ressourcen auf der Welt, reichte eine bloße Deponierung der Abfälle nicht mehr aus. Mülltrennung und Recycling waren daher die Stichworte Anfang der 1990er Jahre. Auch das Abfallwirtschaftskonzept des Kreises wurde insofern erweitert, als man versuchte, die verwertbaren Teile von den endgültig abzulagernden Abfällen zu trennen. Dies schlug sich in einer deutlichen Reduzierung der Abfallmenge nieder. Während im Gründungsjahr 1989 noch 305.000 Tonnen Abfall im Entsorgungszentrum des Kreises Minden-Lübbecke, Pohlsche Heide eingelagert wurden, waren es vier Jahre später nur noch 150.000 Tonnen. Im Bereich des Biomülls konnte 1995 ein eigenes Kompostwerk in Betrieb genommen werden, an das sich in 2011 ein Biogaswerk anschloss. Als sich das generelle Verbot der Ablagerung von unbehandelten Abfällen in 2005 abzeichnete, folgte der Aufbau einer Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA), die der Kreistag im September 1996 grundsätzlich beschloss.
Auch in seiner Betriebsstruktur setzte das Entsorgungszentrum des Kreises Minden-Lübbecke, Pohlsche Heide neue Impulse in der kommunalen Selbstverwaltung. Schon bei der Gründung 1989 wurde die Kreisabfallwirtschaft einem Eigenbetrieb des Kreises übertragen, dem AML (Abfallentsorgungsbetrieb des Kreises Minden-Lübbecke). Für den Betrieb des Kompostwerkes ging man zehn Jahre später mit der Gründung der „Gesellschaft zur Verwertung organischer Abfälle“ (GVoA) noch einen Schritt weiter. Diese Betreibergesellschaft wurde im Rahmen einer Public-Private-Partnership Kooperation (PPP) gegründet, an der neben dem Kreis Minden-Lübbecke noch ein Tochterunternehmen der Firma Tönsmeier beteiligt ist. Am 1. Januar 2000 übernahm die GVoA den Betrieb des Entsorgungszentrums des Kreises Minden-Lübbecke, Pohlsche Heide. Der AML behielt allerdings alle Genehmigungsrechte, das Eigentum an den Anlagen und die Grundstücke.
Aus dem AML entwickelte sich 2001 als 100%iges Tochterunternehmen die AML-Immobilien GmbH, die die Immobillien des AML übernahm. 2007 erwarb die AML-Immo das Heizkraftwerk Minden am Industriehafen. Nun konnte der Kreis umfassend alle Verwertungs- und Beseitigungsmaßnahmen in der Abfallwirtschaft in eigenen, modernen Anlagen realisieren. Hierdurch erfüllt der Kreis mit seinen Städten und Gemeinden einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz und zur Sicherung von Ressourcen. (Text und Foto: Kreis Minden-Lübbecke, Text: Benjamin Husemann)


