Online-Magazin für Minden und Umgebung

Ein Fleck, der alles veränderte

Minden -

https://www.hallo-luebbecke.de/data/Bildarchiv/2026/202605_Mai/20260521_hallo_minden_mkk_hautkrebs.jpg

Am Johannes Wesling Klinikum in Minden wurde nach umfassender Diagnostik rasch eine kombinierte Immuntherapie eingeleitet. Diese nutzt gezielt das körpereigene Immunsystem, um Krebszellen zu bekämpfen. Noch vor wenigen Jahren waren die Behandlungsmöglichkeiten in solchen Fällen stark begrenzt. Heute zeigen sich zunehmend Erfolge: Bereits nach wenigen Therapiezyklen waren bei Birte Nebel-Engehausen deutliche Verbesserungen erkennbar.

Was als harmloser Hautfleck begann, entpuppte sich für Birte Nebel-Engehausen aus dem Raum Hannover als schwerwiegende Diagnose mit weitreichenden Folgen. Innerhalb kürzester Zeit wurde aus einer ersten Unsicherheit Gewissheit: Die 28-jährige Eventmanagerin leidet an schwarzem Hautkrebs im fortgeschrittenen Stadium, welcher sich innerhalb weniger Monate in ihrem Körper weiter ausbreitete. Mehrere Organe sind von Metastasen betroffen. Ihr Kampf den Krebs zu besiegen, begann.

Bereits im Juni 2025 ist ihr der Leberfleck am Rücken aufgefallen, den sie aber zunächst wieder aus den Augen verlor. Erst nachdem er sich entzündete, zu bluten begann und wuchs, wurde er im Sommer 2025 für Birte Nebel-Engehausen auffällig. Trotz erster Arztbesuche zog sich die Abklärung über Monate hin – auch, weil Termine bei Fachärzten schwer zu bekommen waren. „Da musste ich erst wegen Schmerzen in der Schulter zu einem Unfallchirurgen, dass dieser durch Zufall den Fleck Ende Dezember erkannte, sofort entfernte und beim Pathologen untersuchen ließ“, so die Hannoveranerin. Die anschließende Untersuchung brachte dann die Diagnose: ein malignes Melanom oder auch schwarzer Hautkrebs.

„Ich habe das in dem Moment gar nicht richtig realisiert“, berichtet sie. „Ich saß beim Arzt und dachte nur, dass ich eigentlich noch einen Zahnarzttermin habe.“ Erst nach und nach wurde die Tragweite deutlich: Der Krebs hatte bereits gestreut. Metastasen wurden unter anderem in der Leber, der Lunge, den Lymphknoten und im Knochen festgestellt.

Trotz der Schwere der Diagnose ist Birte Nebel-Engehausen positiv gestimmt: „Seit ich weiß, was ich habe und behandelt werde, geht es mir psychisch besser als vorher. Endlich bekomme ich Unterstützung, fühle mich im Johannes Wesling Klinikum vom Team von Professor Dr. Gutzmer sehr gut betreut und weiß endlich, was los ist. Die Unsicherheit empfand ich als viel schlimmer.“ Tatsächlich fühlte sie sich in den Monaten vor der Diagnose zunehmend erschöpft und krank, ohne eine klare Ursache zu kennen. Die Ärzte schoben es immer wieder auf den Stress.

Nachdem das Ergebnis vorlag, ging alles recht schnell. Der Unfallchirurg war sehr gut vernetzt und stellte unmittelbar nach dem Befund im Januar 2026 den Kontakt zum Johannes Wesling Klinikum zu Dr. Yenny Angela, Oberärztin an der Universitätsklinik für Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Phlebologie in Minden, her.  „Als ich die Diagnose hörte und zugleich erfuhr, dass die Patientin erst 28 Jahre alt ist, war für uns sofort klar, dass ein rasches Handeln erforderlich ist. Nach den notwendigen Untersuchungen konnten wir zeitnah eine kombinierte Immuntherapie einleiten“, so die behandelnde Oberärztin und Koordinatorin des Hauttumorzentrums. „Noch vor rund zwölf Jahren waren die Behandlungsmöglichkeiten für Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem, metastasiertem Hautkrebs stark begrenzt, insbesondere wenn es um ein langfristiges Überleben bei guter Lebensqualität ging. Durch neue medikamentöse Ansätze – insbesondere die kombinierte Immuntherapie – hat sich dies grundlegend verändert. Diese moderne Behandlungsform nutzt das körpereigene Immunsystem, um Krebszellen gezielt und effektiv zu bekämpfen“, erklärt Universitätsprofessor Dr. Ralf Gutzmer, Direktor der Universitätsklinik für Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Phlebologie. 
Erste Ergebnisse bei Birte Nebel-Engehausen stimmte das Behandlungsteam vorsichtig optimistisch: Die Laborwerte hatten sich deutlich verbessert, und der Tumormarker war bereits stark gesunken. „Nach vier Immuntherapiegaben stand nun die erwartete Kontrollbildgebung durch MRT und PET-CT an. Das Ergebnis ist sehr positiv: in der Lunge und den Knochen sind keine Metastasen mehr sichtbar, die zahlreichen Metastasen in der Leber sind bis auf eine Metastase nicht mehr da und im Brustbereich ist noch ein kleiner Fleck zu sehen“, sagt Dr. Yenny Angela.

Parallel zur Therapie musste die 28-jährige aber auch zahlreiche organisatorische und medizinische Schritte bewältigen: Arzttermine, Zahnsanierungen, eine Eizellentnahme zur späteren Familienplanung sowie Abstimmungen mit Krankenkasse und Behörden. Allein im Februar absolvierte sie 18 Arztbesuche. Vor allem das Kinderwunschthema beschäftigte sie sehr, denn einer der schwierigsten Sätze, die sie von den Ärzten aufnehmen musste, war: „Falls Sie Kinder bekommen möchten, empfehlen wir Ihnen schnellstmöglich Eizellen einzufrieren“. „Diese Aussage war natürlich ein Schock – nicht zuletzt, weil mein Freund und ich uns eigentlich schon bald unseren Kinderwunsch erfüllen wollten. Ich zögerte daher nicht und habe mir den schnellstmöglichen Termin zur Kinderwunsch-Behandlung geben lassen, den ich bekommen konnte. Kurz nach der 1. Gabe Immuntherapie ging es dann in die Kinderwunschklinik nach Bad Münder, wo mir trotz Immuntherapie noch ausreichend Eizellen (insgesamt 30 aus zwei Zyklen) entnommen werden konnten. Der Kinderwunsch muss wegen der Krebsbehandlung nun auf bislang unbestimmte Zeit heraus gezögert werden, aber ich bin froh, dass ich meine Familienplanung nicht komplett aufgeben muss“, sagt Birte Nebel-Engehausen. 

Gleichzeitig hat sie ihre Lebensweise bewusst umgestellt: gesündere Ernährung, Verzicht auf Alkohol, mehr Achtsamkeit im Alltag. „Ich lebe jetzt bewusster und gönne mir auch mehr. Früher habe ich vieles aufgeschoben“, so die Eventmanagerin.

„Besonders wichtig ist mir jetzt, andere Menschen und vor allem junge Menschen zu sensibilisieren“. Birte Nebel-Engehausens Botschaft: Vorsorge ernst nehmen und auf den eigenen Körper hören. „Ich habe immer gedacht, dass der Arzt schon wissen wird, was los ist. Aber wenn dein Körper dir etwas anderes sagt, dann bleib dran. Hol dir weitere Meinungen ein“, rät sie. 

Auch ihre Familie spielte eine zentrale Rolle. Während die Diagnose für ihre Angehörigen zunächst ein Schock war, entwickelte sich schnell ein starkes Hilfsnetzwerk. „Alle waren sofort da – meine Freunde, mein Partner und meine Familie“, berichtet sie. „Und das hat mir unglaublich geholfen und Kraft gegeben.“

Trotz der Einstufung als palliative Erkrankung sieht sie ihre Situation nicht als aussichtslos. Moderne Therapien eröffnen neue Perspektiven. „Palliativ heißt heute nicht mehr, dass alles vorbei ist“, sagt sie. „Die Medizin entwickelt sich ständig weiter – und ich glaube daran, dass noch viel möglich ist.“

Mit ihrer Offenheit möchte Birte Nebel-Engehausen anderen Betroffenen Mut machen und gleichzeitig aufklären: Hautkrebs kann jeden treffen – auch junge Menschen. Früherkennung und Aufmerksamkeit können entscheidend sein. 

Wer sich auch für die Hautkrebsforschung stark machen oder einfach nur helfen möchte, wo gerade dringend Hilfe benötigt wird, kann dies sehr gerne unter www.muehlenkreiskliniken/spende. Dort finden Sie alle Spendenprojekte auf einem Blick. 

Quelle und Foto: Mühlenkreiskliniken AöR

Das ist auch interessant:

Die Schlemmer-Abendmärkte startet in die 8. Auflage

Gemeinsames Treffen aller Beteiligten zum Waldfrieden

Hier wird geblitzt

Aktuelle Verkehrsmeldungen

Anzeige

Eigenanzeige-HaMi-2020-55cent-848x457