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Erfolgreiche Konferenz zum Thema Demenz

Minden -

Erfolgreiche Konferenz zum Thema Demenz

Foto: Doris Kaase als Rentnerin Elly Prix im Gespräch mit Dr. Eckart von Hirschhausen

Der Umgang mit dementen Patientinnen und Patienten sowie die Palliativversorgung waren die zentralen Themen der diesjährigen Netzwerkkonferenz, die kürzlich im Ständersaal des Preußenmuseums stattfand. Die Veranstaltung war mit 280 Personen aus dem DemenzNetz und der Palliativversorgung ausgebucht.

Betroffene und Angehörige von Demenzkranken benötigen professionelle Unterstützung. Das Leben lebenswert zu machen, ist dann die Aufgabe der Palliativversorgung. Pflegerinnen und Pfleger, Hausärztinnen und -ärzte, Kliniken und viele weitere Akteure sind an der Palliativversorgung beteiligt. Den Demenzerkrankten und ihren Angehörigen soll dieser Lebensabschnitt erleichtert werden. Dazu werden pflegerische, medizinische und psychosoziale Aufgaben übernommen.

Hans-Joerg Deichholz, Dezernent des Kreises Minden-Lübbecke, eröffnete die Konferenz stellvertretend für den Landrat Dr. Ralf Niermann. „Demenz ist ein Schicksal, das auch im Kreis Minden-Lübbecke immer mehr Menschen betrifft. Schätzungen gehen von etwa 1.200 Neuerkrankungen pro Jahr im Kreisgebiet aus. Dies stellt für alle Betroffenen eine große Belastung dar. Ich bin froh, dass sich mittlerweile so viele Initiativen, Einrichtungen und Dienste zu einem unterstützenden Hilfs-Netz zusammengeschlossen haben.“, so Hans-Joerg Deichholz.

Zum aktuellen Stand des DemenzNetzes im Kreis Minden-Lübbecke, das im letzten Jahr durch Minister Michael Groschek zum Ort des Fortschritts ausgezeichnet worden war, referierten Dr. Christian Adam und Hartmut Emme von der Ahe, PariSozial Minden-Lübbecke/Herford. Die beiden Koordinatoren des DemenzNetzes blickten zum einen zurück auf die Aktivitäten der letzten beiden Jahre und zum anderen voraus auf die zukünftigen Anstrengungen des Netzes. Insbesondere gilt es dabei die Haus- und Fachärztinnen und –ärzte stärker in das Netz einzubinden und gemeinsam mit den Mühlenkreiskliniken die Versorgungskette für Menschen mit Demenz an dieser wichtigen Stelle zu schließen. Darüber hinaus soll eine Kooperation mit der Fachhochschule Bielefeld Campus Minden aufgebaut, Einrichtungen der Behindertenhilfe als Kooperationspartner gewonnen und ein Nachwuchsförderpreis ausgelobt werden.

Thomas Rust von der AOK NordWest informierte anschließend über die Veränderungen durch die Pflegestärkungsgesetze II und III.

Die Veranstaltung wurde gemeinsam mit dem ambulanten PalliativNetz im Kreis Minden-Lübbecke PAN vorbereitet und hatte daher auch den inhaltlichen Schwerpunkt „Demenz am Lebensende“. Zentrale Aufgabe der Palliativversorgung ist gerade in der letzten Lebensphase, dem Leben mehr Lebensqualität zu geben. In diesem Zusammenhang machte Frau Dr. Gerlinde Dingerkus, Leiterin von Alpha-Westfalen, der Ansprechstelle im Land Nordrhein-Westfalen zur Palliativversorgung, Hospizarbeit und Angehörigenbegleitung, auf die wesentlichen Punkte aufmerksam, woran bei Menschen mit Demenz, die sich nicht mehr artikulieren können und die auch nicht mehr zeitlich und räumlich orientiert sind, zu erkennen ist, dass sie in ihre letzte Lebensphase eintreten.

In einer moderierten Diskussionsrunde wurde die Versorgung von Demenzkranken am Lebensende aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Astrid Müller, Einrichtungsleitung des Senioren-Parks carpe diem aus Minden betonte, dass es eine Bereicherung ihrer Arbeit ist, mit dem Demenz- und dem PalliativNetz zusammenarbeiten zu können. Auch Heike Hebenstreit, die ihre Mutter pflegte, äußerte sehr positive Erfahrungen mit der Hospiz- und Palliativbegleitung.
Aus hausärztlicher Perspektive ist die Unterstützung von Menschen mit Demenz nicht einfach aber durchaus ausbaufähig. Dr. Toni Huber, seit über 20 Jahren in seiner hausärztlichen Praxis in Minden tätig, sagte: „Ein Heilen einzelner Symptome ist selten möglich, Lindern geht manchmal aber Trösten immer. Insbesondere die Schmerzmedikation ist bei Menschen mit Demenz schwierig, weil sie in der Regel keine Schmerzen zeigen.“

Diejenige, die als Vertreterin des Demenzfachdienstes direkten Kontakt zu den betroffenen Angehörigen aufnimmt und die froh ist, vor Ort mit den Beraterinnen vom ambulaten PalliativNetz zusammenarbeiten zu können, ist Susanne Zander. Umgang mit den Themen Angst, Trauer und das Verabschieden gehören zu den Beratungsthemen des Demenzfachdienstes.
Für Barbara Eberhard, Patientenkoordinatorin im ambulaten PalliativNetz des Kreises Minden-Lübbecke, kommt es zunächst darauf an, sich gemeinsam mit allen Professionellen Zeit zu nehmen und auszutauschen und dann gemeinsam abzustimmen, wie im Einzelfall vorgegangen wird.

Aufgelockert wurde die Veranstaltung durch das Engagement von Schülerinnen und Schülern des Evangelischen Fachseminars für Altenpflege aus Minden, die sich extra für die Veranstaltung etwas haben einfallen lassen und eine Theaterspielszene zum Schwerpunktthema der Palliativversorgung präsentierten.

Während der Veranstaltung drehte sich viel rund um das Thema „Information“. Es gab eine kleine Ausstellung mit Informationsmaterialien zum Thema Demenz und Palliativversorgung, an der sich die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft, die dauerhaft Verantwortung für die Ausgestaltung des DemenzNetzes übernommen haben beteiligten.

Moderiert wurde die Veranstaltung durch Lebens- und Sozialberaterin Doris Kaase, die -verkleidet als Rentnerin Elly Prix- im letzten Teil der Veranstaltung den prominenten Gast, Dr. Eckart von Hirschhausen, willkommen hieß.

Der Kabarettist und Mediziner Dr. Eckart von Hirschhausen, geht mit dem Thema Demenz auf eine besondere Art um. Seine Spezialität ist es, medizinische Inhalte auf humorvolle Art und Weise zu vermitteln und mit nachhaltigen Botschaften zu verbinden. Humor hilft heilen, so sein Motto, und er machte deutlich, dass dies auch für den Umgang mit dementiell erkrankten Personen gilt. Zwar ist eine Heilung in diesem Fall nicht möglich, aber der Umgang miteinander und mit der Demenz werde mit Humor deutlich angenehmer. Hirschhausen setzte sich für eine politische Stärkung des Pflegeberufs ein und plädierte für die Gründung einer Pflegekammer, analog zur Ärztekammer. Angesichts der Relevanz dieses Berufsfeldes meinte Hirschhausen: „Wenn Lokführer streiken, dann kommen ein paar Menschen ein paar Tage lang nicht von A nach B. Wenn Pflegekräfte streiken, kommen Menschen nicht vom Bett aufs Klo.“

Diese Netzwerkkonferenz wird sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben. Es wurden von Hirschhausen noch viele Autogrammkarten unterschrieben und schließlich blieb beim Blick auf die Uhr auch nicht mehr viel Zeit bis zum abendlichen Auftritt in der Kampa-Halle.

(Text: Kreis Minden-Lübbecke | Foto: Dr. Anna Berlit-Schwigon/Kreis Minden-Lübbecke)

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