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Seeda: Pferdekopfgeige und Zweiton-Gesang

Minden -

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Nein, sie haben keine Halsschmerzen! Die Musiker der Gruppe „Seeda“ beherrschen außer ihren Instrumenten eine spezielle Gesangstechnik, die sie in ihrer mongolischen Heimat nicht nur erlernt, sondern auch studiert haben. In der Gadenstedter St. Andreas-Kirche waren sie Samstag zu Gast, herzlich begrüßt und enthusiastisch bejubelt.

Seeda | HH-Ameise Kulturhügel | Samstag, 14.10.2017 um 20.00 Uhr

Es ist die Kombination von Unter- und Obertongesang, wie er seit hunderten von Jahren in der Mongolei gepflegt wird – ausschließlich von Männern übrigens. Die instrumentale Begleitung kommt von der jeweils mit zwei Saiten versehenen Bass- und Pferdekopfgeige, dem 120-saitigen mongolischen Hackbrett und einer Auswahl von traditionellen und modernen Perkussionsinstrumenten.

Was fasziniert, ist diese exotische Art, die Stimmbänder so zu trainieren, dass geradezu furienhafte Kehllaute gleichzeitig mit skalpellhaft scharfen und klaren Obertönen ertönen. Das klingt entfernt nach einem australischen Didgeridoo und ist dem Hörempfinden hiesiger Musikverbraucher sehr gewöhnungsbedürftig.

Dass die Musiker trotzdem oder gerade deswegen so erfolgreich sind, liegt wohl an diesem mitreißenden Groove, dem besonderen Musikgefühl durch Rhythmus, Spannung und Tempo, der durch die Verbindung von orientalischer und mongolischer Musik entsteht. Erstaunlich: Das musikalische Produkt klingt gleichermaßen fremd wie vertraut, berührend und bewegend.

Die Streicher im Dialog mit dem Schlagzeug, der Ritt durch die Steppe, die wilde Jagd, die abwechselt mit meditativer Ruhe. Mal klingt es nach einer Art Heavy Metal auf mongolisch, dann wieder nach Folk-Rock der plötzlich fast in Country übergeht. Apropos Country: In der Konzerpause reichte das St.-Andreas-Männerkochteam einen „Tsuivan“, mongolischen Eintopf, der zünftig über offenem Holzfeuer köchelte.

Anschließend kommt Stimmung auf wie in einer Stadion-Fankurve, zum Schluss Applaus im Stehen und diverse Zugaben.

„Sedaa“ bedeutet im Persischen „Stimme“ und verbindet die traditionelle mongolische mit der orientalischen Musik zu einem ebenso ungewöhnlichen wie faszinierenden Ganzen. Die in ihrer mongolischen Heimat ausgebildeten Meistersänger Nasaa Nasanjargal, Naraa Naranbaatar – bekannt durch die Gruppe Transmongolia – und der virtuose Hackbrettspieler Ganzorig Davaakhuu entführen gemeinsam mit dem iranischen Multiinstrumentalisten Omid Bahadori in eine wahrhaft exotische Welt zwischen Orient und mongolischer Steppe. Die Grundlage ihrer modernen Kompositionen bilden Naturklänge – erzeugt mit traditionellen Instrumenten und durch die Anwendung uralter Gesangstechniken nomadischer Vorfahren, bei denen ein Mensch mehrere Töne zugleich hervorbringt. Vibrierende Untertongesänge und der Kehlgesang Hömii sowie die wehmütigen Klänge der Pferdekopfgeige Morin Khuur und die perligen Töne des mit 120 Saiten bespannten Hackbretts verschmelzen zusammen mit pulsierenden orientalischen Trommelrhythmen zu einer mystischen Melange der Schwingungen und Stimmungen.

Einlass 19.00 Uhr / Abendkasse 12€

(Text und Foto: HH-Ameise Kulturhügel)

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