'Wie sie garantiert den falschen Mitarbeiter finden'
Bad Oeynhausen -

Foto: Vortrag zu Personalauswahlverfahren bei Unternehmerfrühstück in Bad Oeynhausen.
Das provozierende Thema „Wie sie garantiert den falschen Mitarbeiter finden!“ stand im Mittelpunkt des jüngsten Unternehmerfrühstücks, zu dem Bürgermeister Achim Wilmsmeier mehr als 70 heimische Unternehmerinnen und Unternehmer im Oeynhausen-Saal im Kaiserpalais begrüßen konnte. Als Referent konnte der städtische Wirtschaftsförderer Patrick Zahn Professor Udo Kanning gewinnen. Der Wirtschaftspsychologe lehrt an der Uni Osnabrück, berät Unternehmen bei der Personalauswahl und hat selber auch praxisnah in Unternehmen gearbeitet. Anhand ausgewählter Thesen zeigte Kanning in seinem Vortrag die klassischen Fehler in der Personalauswahl auf. „Viele Unternehmen versuchen bis heute, möglichst viele Bewerber für eine Stelle zu generieren. Die Zahl der geeigneten Bewerber würde dagegen aber in den wenigsten Fällen erhöht“, sagte er zu einem weit verbreiteten Irrtum in Personalabteilungen.
Wenn bei 20 Bewerbern zwei geeignet seien, wären das 10 Prozent. „Wenn Sie nun die Bewerberzahl auf 100 verfünffachen, haben sie vielleicht drei geeignete Bewerber, was drei Prozent entspricht, sie aber auch nicht weiter bringt. Denn es wird ungemein schwieriger, diese drei auch wirklich aus den 100 herauszufinden.“ Und viele Unternehmen würden zu sehr ausschließlich auf das Internet bei der Stellenausschreibung setzen. „Dabei sollten sie gerade die gute alte Zeitung nicht unterschätzen. Für Bewerber aus dem lokalen Bereich ist bei bestimmten Bewerbergruppen die Zeitung immer die bessere Wahl.“ Auch zum Thema Tipp- und Grammatikfehler in den Bewerbungen hatte der Professor eine klare Meinung: „Versuchen sie nicht, diese Fehler zu deuten. Gestochen scharfe Rechtschreibung oder eine klare Grammatik sind eher eine Generationenfrage. Das geht als Kulturtechnik im Technikzeitalter immer mehr verloren und hat für die Jüngeren nicht mehr die Bedeutung.“ Tatsächlich ließen sich aus solchen Fehlern keine Rückschlüsse zum Beispiel auf die Gewissenhaftigkeit eines Bewerbers ziehen, verwies Kanning auf mehrere aktuelle Studien. Ebenso sei bereits seit den achtziger Jahren klar, dass die Handschrift überhaupt nichts über eine Person aussagen kann. Dass Kanning nicht nur reiner Theoretiker ist, macht er bei vielen seiner Thesen immer wieder deutlich, indem er auf Kontakte zu seinen Studenten verwies.
So habe sich gerade erst ein Student aus einem Praktikum bei ihm gemeldet: „Herr Kanning, ich dachte immer sie scherzen, wenn Sie schlechte Beispiele aus Personalauswahlverfahren in den Vorlesungen beschreiben, aber das gibt es ja tatsächlich.“ Da geht es dann mal darum, dass die Frau des Personalverantwortlichen abends über der Liste der Kandidaten pendelt oder dass unstrukturierte Auswahlgespräche über Hobbies und die Lebensumstände geführt werden. Viele Unternehmen würden heute auch immer noch großen Wert auf das Anschreiben zur Bewerbung legen. „Dabei ist gerade das die Paradedisziplin der Selbstdarstellung“, unterstrich Kanning die falsche Bewertung solcher Schreiben und fügte hinzu: „Die meisten Personaler wissen anscheinend gar nicht, dass ein Großteil dieser Schreiben ohnehin als Muster aus dem Netz gezogen wird und dann minimal auf die eigenen Belange angepasst wird.“
Generell könne er aus seiner langjährigen Erfahrung in der Beratung bei der Personalauswahl ein wichtiges Fazit ziehen: Je näher es bei der Auswahl an Führungspositionen käme, desto lausiger sei das Auswahlverfahren. „Sie müssen erst mal reinkommen in den Beruf. Danach müssen sie nur noch abhängen und reifen“, brachte er diese Tatsache pointiert auf den Punkt. Im Anschluss an seinen Vortrag nutzten viele Unternehmer die Gelegenheit zum persönlichen Gespräch mit dem Referenten. „Das ist genau das, was wir mit dem Unternehmerfrühstück erreichen wollen: Die Firmen sollen untereinander netzwerken und auch einen persönlichen Mehrwert zurück mit in den Betrieb nehmen“, freute sich der Wirtschaftsförderer Patrick Zahn über die gute Resonanz und den Verlauf der jüngsten Unternehmerfrühstücks. Zahn hatte den Referenten bei der Recherche im Internet gefunden, nicht zuletzt weil er Professor des Jahres 2016 ist, ausgelobt von einem Bochumer Wirtschaftsverlag. Das Unternehmerfrühstück findet etwa zwei Mal im Jahr statt. Der nächste Termin ist für Dezember geplant.
(Text und Foto: Stadt Bad Oeynhausen)
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