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Zu Gast bei Freunden in Europa

Minden/Viljandi -

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Gäste aus dem Mühlenkreis und Vertreter aus dem Kreishaus Viljandi

„Welcome to Viljandi“ – mit diesen Worten begrüßte Landrat Erich Palm eine Delegation aus dem Kreis Minden-Lübbecke gleich bei ihrer Ankunft am späten Abend im Hotel in Viljandi. Gemeinsam mit Landrat Dr. Ralf Niermann waren am vergangenen Wochenende 23 Vertreterinnen und Vertreter der Verwaltung, des Estlandvereins, der Politik , des Besselgymnasiums Minden, der Musikschule Lübbecke sowie der Landfrauen nach Viljandi gereist, um dort das 25-jährige Bestehen der Partnerschaft zu feiern und neue Kontakte zu knüpfen.

„Die jüngsten politischen Entwicklungen zeigen, wie wichtig es ist, zusammenzustehen über Grenzen hinweg, denn nur gemeinsam sind wir stark“, betonte Landrat Dr. Ralf Niermann in seiner Begrüßungsrede zum Festakt am Samstagabend. “Dazu leisten Partnerschaften wie unsere einen wichtigen Beitrag, denn wo Freundschaft herrscht, kann es keine Vorurteile geben“.

Als im Juni 1992 die Partnerschaft urkundlich in einer Sondersitzung des Kreistages Minden-Lübbecke unterzeichnet wurde, standen noch Hilfslieferungen für Estland im Vordergrund. Die Initiative ging auf den Geschäftsmann Richard Werncke zurück, der selbst aus Estland stammte und damals Mitglied des Kreistages war. Werncke verstarb bereits im Jahr der Gründung und wurde in Viljandi beigesetzt. Zu jedem Besuch in Viljandi gehört der Besuch der Grabstätte und das Blumenniederlegen am Grab von Richard Werncke, denn ihm ist diese Partnerschaft zu verdanken.

Mittlerweile ist aus der Unterstützung für Estland längst ein partnerschaftlicher Austausch auf Augenhöhe entstanden zwischen Fachämtern, Schulen und Vereinen. Viele Delegationen aus dem Kreis Viljandi besuchten in den letzten Jahren den Mühlenkreis, um sich über Entwicklungen in ihren Spezialgebieten zu informieren, und umgekehrt.

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Landräte Erich Palm (li.) und Dr. Ralf Niermann (re.) mit den Pianisten Edvard Salvesen (2.v.li) und Leander Brand (2.v.r.) beim Festakt im Herrenhaus Õisu

Austausch in Europa fördert den Zusammenhalt

Dass Kooperationen und Austausch in Europa wichtig sind, war eines der Leitthemen des Wochenendes. Die geladenen Gäste waren sich einig, dass Europa nur stark ist, wenn ihre Partner gemeinschaftlich an einem Strang ziehen und sich füreinander einsetzen. Der Landrat im Kreis Viljandi Erich Palm dankte den Menschen auf estnischer und deutscher Seite für ihre Freundschaft und ihr Engagement Besonders den Gründern und langjährigen Mitgliedern des Vereins Partner für Estland dankte er für ihre Unterstützung. Winfried Räbiger, Heinrich Borcherding, Dr. Günter Linkermann, Friedrich Lübbert, Philipp Rainer Fäth und Manfred Wiltraut sind inzwischen vertraute Gäste in Viljandi. Viele von ihnen waren auch in diesem Jahr mitgereist, um das Jubiläum gemeinsam zu feiern.

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Links am Klavier die Pianisten, Musikschule Pro Musica e.V. aus Lübbecke (Leander Brand und Edvard Salvesen) und Musikschulschüler der Viljandi Musikschule mit Landräten Erich Palm und Dr. Ralf Niermann

Zwischen Mathematik und Musik: Neue Austauschprogramme in der Planung

Eine Partnerschaft lebt von den Menschen, die sie pflegen. So ist das zukünftige Ziel, bestehende Netzwerke fortzuführen und neue Möglichkeiten zum Austausch zwischen jungen Menschen zu schaffen, um gegenseitig andere Kulturen kennen- und voneinander zu lernen. So prüften Vertreterinnen und Vertreter des Besselgymnasiums Minden und des Gymnasium Viljandi die Möglichkeiten für einen zukünftigen Schüleraustausch ihrer Schulen. Beide verbindet, dass sie im heute wichtigen MINT-Bereich einen besonderen Schwerpunkt haben. Schülerinnen und Schüler beider Gymnasien könnten also nicht nur ihre Englischkenntnisse in der Praxis anwenden, sondern sich eben auch gegenseitig über Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik informieren.

Auch Musik verbindet über Grenzen hinaus: Zwischen den Musikschulen Pro Musica Lübbecke e.V. und der Musikschule Viljandi besteht ebenfalls Interesse an einem regelmäßigen Austausch. Im wahrsten Sinne Auftakt hierzu war ein klassisches Konzert, das die Musikschule Viljandi zusammen mit den Gastmusikern der Lübbecker Musikschule, Leander Brand und Edvard Salvesen gegeben hat. Ebenso wie die Vertreter der Gymnasien sind sich auch die Musikschulen einig, dass es für die jungen Menschen beider Länder ein Gewinn wäre, sich gegenseitig zu besuchen und kennen zu lernen.

Hightech auf hohem Niveau

Digitalisierung hat in Estland einen besonderen Stellenwert, die Esten erledigen viele Aufgaben auf kommunaler Ebene schon lange online. Sogar bei den Wahlen wird die Stimme per SMS abgegeben. „Was die Digitalisierung angeht, können wir noch sehr viel von den Esten lernen“, so das Fazit der deutschen Gäste. So besuchte die Delegation in Viljandi die Firma Cleveron, ein Technologieunternehmen, das eine Paketversand-Automatisierungslösungen für Einzelhandels-, Logistik- und Postindustrien anbietet. Die Gäste aus dem Kreis Minden-Lübbecke haben hier Hightech auf hohem Niveau erlebt. Gleichzeitig eröffnete der Besuch eine weitere Komponente für einen möglichen Austausch: neben einem Besuch des Gymnasiums Viljandi wäre auch ein Praktikum in dem Hightech-Unternehmen denkbar.

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Die Schulleiterin, Ülle Luisk, führte die Gäste durch das Gymnasium

Landfrauen engagieren sich

Die Landfrauen aus dem Mühlenkreis wurden vor Ort durch Tiia Sudek vertreten, die gebürtig aus dem Kreisgebiet Viljandi stammt. Sie lebt seit vielen Jahren im Kreis Minden-Lübbecke und engagiert sich als Landfrau. In Viljandi empfingen die Landfrauen und Landwirte die Delegation aus dem Mühlenkreis auf dem Bauernhof Naatsaku mit offenen Armen und präsentierten ihre Projekte. Aktuell arbeiten die Landfrauen in Viljandi daran, ein Service- und Pflegeangebot für ältere Menschen zu etablieren, die in ländlichen Gebieten wohnen. So wollen sie für ältere da sein, wenn sie Unterstützung brauchen. Auch einfache Besuche sind angedacht, damit die älteren Menschen jemanden zum Reden oder Kartenspielen haben. Ziel ist – ähnlich wie im Kreis Minden-Lübbecke – dass die Menschen so lange wie möglich in ihren Häusern leben können.

Kunst und Natur

Teppichkünstlerin Anu Radu, die in Estland hohes Ansehen genießt, empfing die Delegation aus Deutschland in ihrem Privathaus. Sie ist an der Erstellung eines 100 Meter langen Teppichs beteiligt, der für die Feierlichkeiten zu Unabhängigkeit und 100-jährigem Bestehen der Republik Estland im Februar 2018 im Heimatmusen erstellt wird. Hier können alle, die möchten und sich mit Teppichknüpfarbeit auskennen, sich anmelden und an bei der Erstellung des Teppichs mitmachen.

Ein weiteres Highlight war der Besuch der Tipu Naturschule, die sich im Soomaa Nationalpark befindet. Die wichtigste Aufgabe der Naturschule ist die Umweltbildung, dazu baut der Verein das Gelände des alten Tipu Schulhauses in einen Naturschulkomplex um und führt Umweltbildungsprogramme durch. Der Verein „Freunde für Estland e.V. “ unterstützt die Naturschule seit mehreren Jahren. Zurzeit absolvieren dort zwei Jugendliche aus Deutschland ihr freiwilliges Ökologisches Jahr. Auch die Delegation aus dem Mühlenkreis machte sich mit dem Soomaa Nationalpark vertraut mit einer Wanderung und einer Kanufahrt. Zwischen Moor, Gewässern und weiter Natur fühlten sich die Gäste aus dem Mühlenkreis besonders heimisch und nutzten die Gelegenheit, auch vom Hiller Moor zu erzählen.

Menschen treffen, Neues kennenlernen und Gemeinsamkeiten entdecken – diese Ziele stehen im Mittelpunkt der Kreis-Partnerschaft und damit auch der Fahrt nach Viljandi. „Mich hat es besonders gefreut, dass in beiden Ländern die Menschen offen und herzlich aufeinander zugehen“, sagte Landrat Dr. Ralf Niermann zum Abschluss der Reise. „Gerade in der heutigen Zeit ist es gut zu wissen, dass wir Freunde in Europa haben. In diesem Sinne wollen wir auch in Zukunft daran arbeiten, dass Menschen in Estland und in Deutschland miteinander reden, voneinander lernen und freundschaftlich verbunden bleiben.“

(Text und Fotos: Mirjana Lenz/Kreis Minden-Lübbecke)

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