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Kreis Minden-Lübbecke gibt Auskünfte zum Corona-Virus

Minden-Lübbecke -

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Sie stellten sich den Fragen der Presse: v.l.: Prof. Dr. Med. Hansjürgen Piechota (Mühlenkreiskliniken), Hans-Joerg Deichholz (Dezernent für Gesundheit, Jugend und Soziales, Kreis Minden-Lübbecke), Dr. Elke Lustfeld (Gesundheitsamt Kreis Minden-Lübbecke), Landrat Dr. Ralf Niermann, Kreisdirektorin Cornelia Schöder und Dr. Gunter Veit (Ärztlicher Leiter Rettungsdienst, Kreis Minden-Lübbecke)

Der Kreis Minden-Lübbecke lud heute zu einer Pressekonferenz, in der aktuelle Fragen zum Ausbruch des Corona-Virus' im Kreisgebiet erörtert wurden. Derzeit sind fünf Fälle bestätigt, drei Personen aus Bad Oeynhausen und je eine Person aus Minden und Stemwede. Alle Personen haben leichte bis mittlere Erkältungssymptome.

Während eine Person stationär auf einer Isolierstation im Johannes Wessling Klinikum behandelt wird, wurde bei den anderen Personen eine häusliche Quarantäne angeordnet. Die Infektionswege sind bei allen Personen bekannt und auch die Kontakte konnten vollständig nachvollzogen werden. "Die Patienten haben sich vorbildlich verhalten, sie haben Kontakte gemieden, sind nicht zur Arbeit gegangen und haben nicht am gesellschaftlichen Leben teilgenommen. Alle Infizierten haben sich im Ausland, in Risikogebieten, angesteckt", erklärt Dr. Lustfeld vom Gesundheitsamt des Kreises.

"Wir befinden uns in einer dynamischen Entwicklung", erklärt Landrat Dr. Niermann bereits in seiner Begrüßung. "Der wichtigste Schritt zur Verhinderung der Verbreitung des Virus, ist die Aufklärung." Daher habe der Kreis Minden-Lübbecke einen internen Krisenstab gegründet, der Akteure des Gesundheitswesens zusammenbringt, um auf aktuelle Lagen schneller reagieren zu können. 

Bürgertelefon

Für die Bürger bleibt das eingerichtete Telefon zunächst in dieser Woche zu den angegebenen Zeiten erreichbar: Mo. - Do.: 8.00 - 18.00 Uhr, Fr.: 8.00 - 16.00 Uhr, Sa.: 10.00 - 16.00 Uhr und So.: 10.00 - 13.00 Uhr. Telefon: 0571-80715999.

Go Future und Maker Faire wird abgesagt, haus & energie findet statt

Die Berufsinformationsmesse Go Future des Kreises und die anschließende Maker Faire Messe werden aufgrund der Empfehlung von Gesundheitsminister Spahn abgesagt. Die Messen werden auch zu einem späteren Zeitpunkt nicht stattfinden können. Die bereits gedruckten Broschüren werden an die Schüler verteilt, damit sich diese dennoch einen Überblick verschaffen können. "In erster Linie dient das dem Schutz unserer Schüler und den Schulen. Wir wollen sie keinem erhöhten Risiko aussetzen", so Landrat Dr. Niermann. 

Die Messe haus & energie am kommenden Wochenende findet wie geplant statt. Das bestätigte Messeveranstalter Rainer Timpe auf Hallo Minden Nachfrage. Noch sei keine Empfehlung des Gesundheitsamts des Kreises Minden-Lübbecke erfolgt. Man stehe in engem Kontakt mit Dr. Elke Lustfeld vom Gesundheitsamt. "Wir als Kreis haben uns dazu entschieden der Empfehlung von Bundesminister Jens Spahn zu folgen, freie Veranstalter müssen diese Entscheidung selbst treffen. Derzeit gibt es von uns keine Empfehlung oder Anordnung. Allerdings scheuen wir uns nicht, auch diese Entscheidungen zu treffen, sobald sie nötig werden", erörtert Hans-Joerg Deichholz, Dezernent des Kreises Minden-Lübbecke für Gesundheit, Jugend und Soziales.

Wie verhalte ich mich richtig?

Menschen zur Begrüßung die Hand zu geben ist derzeit nicht mehr angebracht, ein Lächeln muss reichen. Die Menschen sollten sich regelmäßig die Hände waschen. Achten Sie auf die Niesetikette. Sollten leichte Grippesymptome auftreten, kontaktieren Sie den Hausarzt telefonisch. Dieser fragt nach Vorgaben des Robert Koch Instituts den Status Ihrer Krankheit ab. Sollte sich der Verdacht erhärten, werden Patienten zum Corona-Zentrum übermittelt. "Bitte laufen Sie nicht in der Notaufnahme auf", bittet Prof. Dr. Med. Piechota von den Mühlenkreiskliniken. "Die Gefahr einer Ausbreitung ist zu hoch. Wir müssen mit dieser Maßnahme unsere Patienten und Mitarbeiter schützen. Dazu haben wir auch das Corona-Zentrum vor dem Johannes Wessling Klinikum eigerichtet. Der Klinikbetrieb muss uneingeschränkt weiterlaufen können." 

120 Personen im Corona-Zentrum gestestet

In den vergangenen Tagen wurden 120 Personen im Corona-Zentrum auf das Virus getestet. Unter ihnen waren die Mitglieder einer Busreisegruppe, die zuvor in einem Risikogebiet in Südtirol Urlaub machten. Der Busfahrer einer Bielefelder Reisegesellschaft stellte bei Reisenden Symptome fest und brachte diese umgehend in das Mindener Corona-Zentrum. "Wir haben uns schon vor Wochen auf dieses Szenario eingestellt und haben mit dem Zentrum eine Vorreiterrolle eingenommen. Andere Städte sind da noch nicht so weit", erläutert Prof. Dr. Med. Piechota. 

Wie läuft der Test ab?

Nicht jeder, der im Corona-Zentrum vorstellig wird, bekommt einen Abstrich. Zunächst müssen die Symptome anhand eines Fragebogens abgeklärt werden. Erst wenn ein Verdacht auf Infizierung bestätigt wird, erfolgt ein Abstrich. "Für den Corona-Nachweis wird ein sogenanntes Kit verwendet. Dieses wird nur von einer Firma produziert. Sie können sich vorstellen, dass die Nachfrage derzeit besonders hoch ist und somit der Nachschub auch begrenzt verfügbar ist. Daher müssen wir genau schauen, wen wir testen." so Prof. Dr. Med. Piechota.

Was passiert, wenn man positiv getestet wurde oder der Verdacht auf eine Infizierung besteht?

Bislang gibt es keine Schutzimpfung gegen das Virus oder eine Therapie zur Behandlung. Der Großteil der Erkrankten hat nur leichte bis mittlere Erkältungssymptomatiken. Manche haben gar keine Symptome, daher wird von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen. In seltenen Fällen, etwa 15 von 100, ist die Krankheit stärker ausgeprägt. In den meisten Fällen reicht die Anordnung einer häuslichen Quarantäne. Diese wird vom Kreis ausgesprochen. "Daran haben sich die Betroffenen zu halten und dies kann auch durch die Behörde kontrolliert werden", erklärt Dr. Elke Lustfeld. Bis ein Ergebnis des Tests vorliegt, vergehen in der Regel bis zu 48 Stunden. Fällt der Test positiv aus, werden die Kontaktpersonen ausfindig gemacht und ebenfalls getestet. Die Kontaktpersonen werden in drei Grade aufgeteilt. Grad 1 sind Personen, die sich im unmittelbaren Umfeld der Infizierten aufhalten, beispielsweise Familienmitglieder. Grad 2 beschreibt Kontaktpersonen, die weniger als 15 Minuten "Face to Face"-Kontakt zum Erkrankten hatten, wie Arbeitskollegen. Grad 3 beschreibt Kontaktpersonen, wie Ärzte oder Arzthelfer, die an der Diagnose beteiligt waren. In Minden-Lübbecke befinden sich derzeit 20 Personen in häuslicher Quarantäne. 

Wie geht es weiter?

Hans-Joerg Deichholz: "Was wir heute sagen, ist jetzt Stand der Dinge. Übermorgen kann es ganz anders aussehen. Daher bereiten wir uns auf verschiedenste Szenarien vor, um dann Entscheidungen ohne Druck fällen zu können". Sollten sich neue Entwicklungen ergeben, will der Kreis Minden-Lübbecke die Bevölkerung umgehend informieren.

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(Text und Foto: Hallo Minden)

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