Schnellere Diagnosen durch hochmoderne Laborstraße
Minden -

Professor Dr. Franz-Josef Schmitz, Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin, Mikrobiologie, Umweltmedizin und Transfusionsmedizin, in dem neuen Zentrallabor der Mühlenkreiskliniken. Foto: Christian Schwier
Das Universitätsklinikum Minden verfügt über eine der modernsten, schnellsten und leistungsstärksten Laborstraßen in Europa. „Technologisch sind wir mit unser neuen Laborstraße weiter als viele namhafte Universitätskliniken“, sagt Professor Dr. Franz-Josef Schmitz, Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin, Mikrobiologie, Umweltmedizin und Transfusionsmedizin der Mühlenkreiskliniken. Die ersten Standardanalysen liegen nach Einschleusung der Probe in die Straße innerhalb von 20 Minuten vor.
Mit der neuen Laborstraße bauen die Mühlenkreiskliniken und die kooperierende Laborpraxis „LaborZentrum Weser“ ihre herausgehobene Stellung im Bereich der Laboranalytik weiter aus, von der auch viele Arztpraxen, Reha-Einrichtungen und Krankenhäuser in der Umgebung profitieren. Bereits in der Corona-Pandemie waren das Labor und die Laborpraxis deutschlandweit einer der leistungsstärksten Anbieter. Als in der Pandemie schnelles Handeln erforderlich war, haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Labors innerhalb weniger Wochen die Kapazität der PCR-Diagnostik vertausendfacht.
Bei fast allen Diagnosen im Krankenhaus ist eine Laboranalyse von Blut oder Urin notwendig. Je schneller die Laboruntersuchung vorliegt, desto eher können die behandelnden Ärztinnen und Ärzte mit der richtigen Therapie beginnen. „Unsere neue Laborstraße ermöglicht es uns, dass wir die Analysen künftig noch schneller zur Verfügung stellen können. Für die Patientinnen und Patienten und deren medizinische Versorgung ist dies ein Meilenstein“, erläutert Professor Dr. Franz-Josef Schmitz. Von dieser neuen Schnelligkeit können auch die Patientinnen und Patienten in vielen Arztpraxen in der Umgebung profitieren. „Schon jetzt arbeitet die mit den Mühlenkreiskliniken kooperierende ‚Laborpraxis LaborZentrum Weser‘ mit vielen Arztpraxen in der Region zusammen. Rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr bieten wir den Praxen labordiagnostische Beratungen sowie mikrobiologische Antibiotika-Beratungen an“, sagt Professor Dr. Schmitz.

Die Laborstraße wurde von Grund auf neu aufgebaut und strukturiert. Links sind die beiden Hauptstränge zu erkennen auf der die Proben vollautomatisch durch den Maschinenpark laufen. Foto: Christian Schwier
An der neuen Laborstraße sind neben der klinischen Chemie auch die Bereiche Immunologie, Gerinnung, Hämatologie und Urindiagnostik angeschlossen. Vom Eingang der Probe bis zur Übermittlung des Ergebnisses sind alle Schritte digitalisiert und automatisiert. Das Geheimnis hinter der Vollautomatisierung ist die intelligente Steuerung der Laborstraße. Direkt nach der Abnahme der Blut- oder Urinprobe in der Arztpraxis oder im Krankenhaus wird die Probe mit einem Barcode ausgestattet und im Labor digital angemeldet. In diesem Moment weiß die Laborstraße bereits, was genau aus welcher Proben analysiert werden müssen.
Ist die Probe erstmal im Labor, landet sie zusammen mit vielen anderen in einem großen Trichter. In dem sogenannten Bulkloader wird die Probe gescannt und einzeln in die Laborstraße gesetzt. Von nun an läuft die Probe vollautomatisch durch den Maschinenpark; wird bei Bedarf zentrifugiert, pipettiert und verschwindet in Analysegeräten, um anschließend wieder auf den Hauptstrang zu den nächsten Analysen einzubiegen. „Das hier ist unsere A2“, sagt Michael Biermann, Leitender Medizinisch-technischer Assistent, und zeigt auf ein schnurgerades Förderband, auf dem Untersuchungsröhrchen mit verschiedenfarbigen Deckeln einmal quer durch den gesamten Raum entlanglaufen. Alle paar Meter ist eine Kreuzung, bei der einige Röhrchen wie durch Zauberhand abbiegen und andere einfach weiterlaufen. „Auf dieser Autobahn für Untersuchungsröhrchen werden alle Proben durchs Labor transportiert. Je nach Anforderung nimmt die Probe dann die Ausfahrt zu den verschiedenen Analyseeinheiten“, erklärt Michael Biermann. Um ein Maximum an Ausfallsicherung zu haben, gibt es alle Analysegeräte mindestens doppelt. Allein sechs Elektrolyte-Messeinheiten mit einer Leistung von je 1.000 Untersuchungen je Stunde gibt es.

Standardanalysen liegen 20 Minuten nach Eingang im Labor vor. Foto: Christian Schwier
Weil an der neuen Laborstraße deutlich mehr Analysegeräte angeschlossen sind als an der alten, mussten die Ingenieure der Firma Roche einen Kniff anwenden: Alle Proben werden über einen Aufzug auf eine Brücke gehoben und laufen dort über einen Gang in einen weiteren Laborraum, wo es dann per Aufzug wieder nach unten und zu den nächsten Analysegeräten geht.
Und was passiert am Ende der Laborstraße? Da wird es kalt. Denn alle Proben werden nach der Analyse automatisch in einem der beiden deckenhohen Archivkühlschränke eingelagert. Mehr als 50.000 Proben können hier aufbewahrt werden – bevor die Proben nach etwa einer Woche fachgerecht entsorgt werden. „Wir haben mit den Archivkühlschränken die Möglichkeit, weitere Werte zu bestimmen, sollte das medizinisch notwendig werden. Das erspart den Patientinnen und Patienten eine weitere Blutabnahme“, erläutert Professor Dr. Schmitz. Sobald weitere Laborwerte angefordert werden, sucht ein Roboter zielgenau die angeforderte Probe aus den vielen tausend Röhrchen heraus und setzt die Probe wieder in die Laborstraße.
Doch nicht nur technisch und analytisch hat sich mit dem Laborumbau etwas getan. Auch bei der diagnostischen Auswertung von Blutbildern beziehungsweise von mikrobiologischen Proben wurde deutlich modernisiert. Wo früher Proben am Mikroskop betrachtet wurden, werden heute größtenteils noch vollautomatisch Fotos gemacht, die zuerst mithilfe Künstlicher Intelligenz sortiert und mit diagnostischen Vorschlägen versehen werden, um dann von den Laborärztinnen und Laborärzten an speziellen Computermonitoren beurteilt zu werden.
Quelle: Mühlenkreiskliniken AöR
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