Stadtspaziergang mit Politik und Ordnungskräften: Sicherheit im Fokus
Minden -

Bürgermeister Jäcke und Landrat Ali Doğan begrüßten die Teilnehmer des Stadtspaziergangs an der Rathauslaube.
Rund 30 Anwohner und Anwohnerinnen der Innenstadt und oberen Altstadt nahmen am Stadtspaziergang mit Bürgermeister Michael Jäcke, Landrat Ali Doğan (beide SPD) sowie Vertretern von Polizei und Ordnungsamt teil. Ziel war es, sich mit den Bürgern über das Thema Sicherheit auszutauschen und Problemstellen direkt vor Ort zu besichtigen.
Route des Stadtspaziergangs
Die Tour begann an der Rathauslaube und führte über den Marktplatz zum Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB). Anschließend ging es weiter entlang der Obermarktpassage zum Kaak, dann über die Königstraße zur Umradstraße, durch die Videbullenstraße zur Ritterstraße und über die Opferstraße zur Obermarktstraße. Der Spaziergang endete in der Leiterstraße hinter der Tiefgarage.

Am ZOB gibt es immer wieder Probleme mit Vandalismus, insbesondere an der öffentlichen Toilette.
Probleme und Sicherheitsbedenken
Bereits am ZOB wurde Vandalismus beklagt, insbesondere an der öffentlichen Toilette. Abends sei der Bereich ein Treffpunkt für Jugendliche, was bei einigen Bürgern ein unsicheres Gefühl auslöse. Eine Kameraüberwachung wurde von Landrat Doğan aus Datenschutz- und Personalmangelgründen als aussichtslos dargestellt. Zudem gäbe es keine Gewaltdelikte, die eine flächendeckende Kameraüberwachung rechtfertigen würden. Eine Bürgerin machte den Vorschlag, Nachtbusse oder Hinweise auf ein "Heimwegtelefon" einzuführen. Bürgermeister Jäcke zeigte sich überrascht: „Ich bin oft in diesem Bereich unterwegs und hatte noch nie ein unsicheres Gefühl oder wurde angepöbelt.“ Eine Bürgerin entgegnete: „Frauen, die abends hier entlanggehen, sehen das anders!“

Anwohner klagen im Bereich der oberen Obermarktstraße über Ruhestörungen, wildes Urinieren und offenen Konsum harter Drogen.
Auch an anderen Stellen wurden Probleme aufgezeigt: Am Treffpunkt gegenüber dem La Cantina und an der Treppe Opferstraße treffen sich regelmäßig Trinker und Mitglieder der Drogenszene. Anwohner klagen über Ruhestörungen, wildes Urinieren und offenen Konsum harter Drogen. Die Gruppe stellte fest, dass der Bereich Leiterstraße zum ZOB sehr dunkel sei und bessere Beleuchtung benötige. Diese Beleuchtungs-Probleme gibt es auch an anderen Örtlichkeiten des Rundgangs.
Ein weiteres Problem sei die Parksituation am Wochenende in der oberen Altstadt, insbesondere der Königstraße. Anwohner berichteten von rücksichtslosem Parken, das Rettungswege versperre. Bürger, die die Falschparker auf das Fehlverhalten ansprechen, bekommen Schläge angedroht. Auch offener Drogenhandel und wilder Müll seien in vielen Ecken der Stadt zu beobachten. Die Ecke Umradstraße Videbullenstraße fiel besonders negativ auf: verfallene Gebäude, zugenagelte Fenster, Vandalismus, Diebstahl, wilder Müll in großen Mengen und ein ständiges Kommen und Gehen der Drogenszene. Die Polizei bestätigte, dass diese Probleme bekannt seien, sie aber nie ganz beseitigt werden könnten.

In der oberen Altstadt treffen viele Problemfelder aufeinander: verfallene Gebäude, zugenagelte Fenster, Vandalismus, Diebstahl, wilder Müll und ein ständiges Kommen und Gehen der Drogenszene.
Auf der Ritterstraße wurden Probleme mit Hunden auf einem Spielplatz angesprochen, die Probleme mit einem Treffpunkt im Bereich der Bürgerschule und des Friedensplatzes wurden in der Runde nicht thematisiert. In der Leiterstraße schließlich berichteten Anwohner von regelmäßig eingeworfenen Scheiben und Störungen durch Jugendliche.
Eine Bürgerin bemerkte, dass solche Probleme allein durch Polizeipräsenz nicht langfristig gelöst werden könnten. Man benötige mehr Streetworker und Treffpunkte mit niederschwelligen Angeboten.
Bürgermeister und Landrat nehmen Anliegen auf
Bürgermeister und Landrat hatten keine sofortigen Lösungen, wollten aber zuhören und Anregungen mitnehmen. Landrat Doğan betonte, dass das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger nicht immer mit der Kriminalstatistik übereinstimme, appellierte jedoch an die Anwohner, die Polizei zu rufen, wenn es zu Vorfällen komme. Er machte sich zahlreiche Notizen, um die Anliegen weiter zu verfolgen.

Ein Hotspot für Trinker und Drogenkonsumenten: Der Treffpunkt an der Treppe Opferstraße Ecke Obermarktstraße sorgt bei Ladenbesitzern und Anwohnern für ein unsicheres Gefühl.
Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit
Unabhängig vom Stadtspaziergang stellte die Stadt Minden ein Konzept zur Aufstockung des Ermittlungs- und Vollzugsdienstes (EVD) vor. Geplant ist, die Anzahl der Mitarbeitenden im Ordnungsdienst um 13 Stellen zu erhöhen und einen Schichtbetrieb von 7 bis 22 Uhr einzuführen. So sollen mehr Kontrollen, vor allem abends und an Wochenenden, durchgeführt werden.
Bürgermeister Jäcke erklärte: „Es hat eine gesellschaftliche Veränderung gegeben, und darauf müssen wir reagieren.“ Zusätzlich zur Stärkung der Ordnungspartnerschaft mit der Polizei sollen Brennpunkte intensiver überwacht werden. Die zusätzlichen Personalstellen würden etwa 600.000 Euro pro Jahr kosten, zusätzliche Mittel für Dienstkleidung, Ausstattung und Fahrzeuge seien noch nicht eingerechnet.
Insgesamt bewerteten die Politiker das vorgestellte Konzept als notwendigen Schritt zur Verbesserung des Sicherheitsempfindens in Minden. Nun liegt es an der Stadtverwaltung und den politischen Gremien, die Vorschläge weiter auszuarbeiten und umzusetzen. Ob sich die Sicherheitslage für die Bürger in Minden spürbar verbessern wird, bleibt abzuwarten.
Text und Fotos: Hallo Minden
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